Vorlesen: Tipps wie Sie gute Geschichten erzählen

Beim Vorlesen geht es in erster Linie nicht um Wissensvermittlung, sondern um das gemeinsame Abtauchen in andere Welten. Gerade in unserer digitalisierten Welt, in der alles vertont und visualisiert wird, droht das Buch zu verstauben und im Antiquariat zu verschwinden. Dabei ist das Lesen eine wertvolle Kulturtechnik. Und zwar für beide Seiten: Ihre Enkel, die vielleicht noch nicht gut genug lesen können – und für Sie als Vorleser. Tipps, wie Sie zum perfekten Vorleser werden und wo Sie geeignete Vorlese-Geschichten finden…

Vorlesen: Tipps wie Sie gute Geschichten erzählen

Vorlesen: Diese Vorteile hat es

Kinder – zum Beispiel Ihre Enkel – lieben es, wenn man ihnen einen Text vorträgt. Zum einen liegt das an ihrer angeborenen Neugier, zum anderen trägt es auch zur Entwicklung bei. Wissenschaftler sind sich heute einig, dass durch das Vorlesen gleich mehrere Fähigkeiten gefördert werden:

  • Vorlesen fördert die Sprache:
    Durch das Vorlesen wird der Wortschatz erweitert.
  • Vorlesen gibt Nähe:
    Kinder brauchen die Zeit, in der sie spüren, dass jemand ihnen die ganze Aufmerksamkeit schenkt.
  • Vorlesen schenkt Ausgeglichenheit:
    Gerade kleinere Kinder wollen auch mal zur Ruhe zu kommen und nicht nur toben und raufen.
  • Vorlesen fördert Konzentration:
    Die Kinder müssen genau aufpassen, wenn ihnen ein Buch vorgelesen wird. Ihre Merkfähigkeit wird so trainiert.
  • Vorlesen bereichert das Wissen:
    Lesen macht schlau. Die Kinder erweitern so ihren Wissensschatz. Über das Gelesene wird zudem vorhandenes Wissen noch vertieft.
  • Vorlesen beflügelt die Fantasie:
    Oft bleibt es nicht bei der vorgelesenen Geschichte. Das Gehörte wird im Rollenspiel nacherlebt und weitergeführt.
  • Vorlesen steigert die Lesefreude:
    Wer Bücher durchs Vorlesen lassen als genussvoll oder bereichernd erlebt, greift später auch selbst häufiger zum Buch.

Neben diesen Kompetenzen, hat das Vorlesen noch eine wichtige soziale Komponente: Kinder genießen die menschliche Nähe und Aufmerksamkeit, die ihnen beim Vorlesen geschenkt wird.

Kurze Geschichten zum Vorlesen: Hier finden Sie welche

Aber was sollen Sie Kindern vorlesen? Das hängt nicht zuletzt vom Alter ab. Wie lange Kinder zuhören und sich konzentrieren können, variiert von Kind zu Kind. Dennoch gibt es bestimmte Durchschnittswerte, wie lange eine Konzentrationsspanne bei Kindern unterschiedlichen Alters ist:

  • 4-5 Jahre: bis 10 Minuten
  • 5-6 Jahre: bis 15 Minuten
  • 6-7 Jahre: bis 20 Minuten
  • 7-10 Jahre: bis 25 Minuten

Geeignete kurze Geschichten finden Sie im Internet. Zum Beispiel hier:

  • Erzählgeschichten
  • Zitronenbande
  • Schlummerienchen
  • Die Seite Einfach Vorlesen liest Kindern zudem altersgerechte Geschichten direkt vor. Es gibt eine breite Auswahl an Texten mit Zeit- sowie Altersangabe.

    Geeignete Kinderbücher

    Selbstverständlich gibt es viele gute Kinderbücher, die den Kurzgeschichten aus dem Internet eines voraus haben: Sie sind haptisch, also beGREIFbar im wörtlichen Sinne. Dies macht Kinder bereits schon früh mit dem Medium Buch vertraut.

    Wir haben uns einmal für Sie auf dem Kinderbuchmarkt umgesehen und einige Vorschläge für Sie:

    • Maurice Sendak: Wo die wilden Kerle wohnen (ab 4 Jahren)
    • Janosch: Oh, wie schön ist Panama (ab 4 Jahren)
    • A. A. Milne: Pu, der Bär (ab 6 Jahren)
    • Ottfried Preussler: Das kleine Gespenst (ab 6 Jahren)
    • Michael Ende: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer (ab 6 Jahren)
    • Erich Kästner: Der kleine Mann (ab 6 Jahren)
    • Astrid Lindgren: Immer dieser Michel (ab 8 Jahren)
    • Ellis Kaut: Meister Eder und sein Pumuckl (ab 8 Jahren)
    • James Krüss: Tim Thaler und das verkaufte Lachen (ab 10 Jahren)
    • Paul Maar: Lippels Traum (ab 10 Jahren)
    • Enid Blyton: Fünf Freunde (ab 10 Jahren)

    Das ISB kürt zudem einmal im Monat das Vorlesebuch des Monats. Unter diesem Link können Sie regelmäßig sehen, was es auf Neues zu entdecken gibt auf dem Markt der Kinderbücher.

    Kindern vorlesen: Das richtige Buch finden

    Grundsätzlich ist wichtig, dass Sie das Kind nicht überfordern. Beobachten Sie das Kind. Rutscht es ungeduldig hin und her oder hängt es noch an Ihren Lippen? Am besten haben Sie Bücher in Auswahl da, bis Sie das Richtige für Ihren Schützling gefunden haben.

    • 0 bis 2 Jahre
      Vorlesen können Sie schon einem drei Monate altem Baby. Es kommuniziert noch nicht mit Worten mit Ihnen, aber sein Sprachbewusstsein entwickelt sich von Anfang an. Es gibt altersgerechte, kleine Pappbilderbücher. In diesen Bilderbüchern ist minimalistisch mit kräftigen Farben und einfachen Formen etwas Typisches aus der Welt der Kleinen dargestellt. Sie können dem Kind beschreiben, was es sieht und einen Bezug zur Wirklichkeit schaffen, in dem Sie beispielsweise den eigenen Teddy oder Ball holen, dem Kleinkind zeigen und damit spielen. Gut eignen sich auch Bilderbücher aus Stoff, die zusätzlich das Fühlen anregen.
    • 2 bis 4 Jahre
      Für diese Altersgruppe eigenen sich etwas größere Pappbilderbücher. Auch sie greifen die Lebenswelt des Kindes auf und nehmen Bezug zu Bekanntem: Besuch beim Arzt, erster Tag im Kindergarten oder Urlaub. Gerne betrachten Kinder in diesem Alter sogenannte Wimmelbilder, auf denen viele Sachen dargestellt werden, welche sie suchen müssen.
    • 4 bis 6 Jahre
      Ganz besonders beliebt sind sogenannte Klappbücher. Hinter kleinen Klappen verstecken sich neue Bilder. Auch diese Bücher greifen den Alltag der Kinder auf. Erweitert werden sie durch einen größeren Textanteil, in dem erklärt wird, was abgebildet ist. So wird das Vorlesen einfacher.
    • 6 bis 8 Jahre
      In diesem Alter entscheidet sich, ob das Kind ein begeisterter Leser wird oder nicht. Die Kinder lernen in der Schule das Lesen. Gerade die Kinder, denen das Lesen schwer fällt, brauchen den Vorleser, damit die Lesefreudigkeit erhalten bleibt. Für den Erstleser ist ein Buch mit großer Schrift und Bildern geeignet. Sie können beispielsweise den ersten Satz vom Kind lesen lassen und den restlichen Absatz vorlesen um die Leselust voranzutreiben.
    • 8 bis 10 Jahre
      Jungen und Mädchen in diesem Alter mögen Abenteuer. Lassen Sie sich in der Wahl des Buches von den Interessen des Kindes leiten. Die Spannbreite ist groß: erste mystische Literatur, Detektivgeschichten, Geschichten über Freundschaften zu Mensch oder Tier. Manchmal sind unter den Gleichaltrigen bestimmte Buchreihen angesagt. Am besten fragen Sie das Kind, was es lesen möchte.
    • 11 Jahre und älter
      Auch für dieses Alter gibt es eine große Bandbreite: Abenteuerbücher, Science-Fiction, Comic, erste Romane aber auch Ratgeber und Lebenshilfe. Vorlesen wird in diesem Alter schwierig. Die Teenies entwickeln ihre eigene Leselust. Erwachsene haben jetzt nur noch einen geringen Einfluss. Wenn Sie jedoch auf einen motivierten Teenie treffen, nutzen Sie die Möglichkeit und lesen Sie sich gegenseitig etwas vor.

    Um in der Buchhandlung das richtige Buch zu finden, können Sie sich gerne HIER unsere kostenlosen Tipps als PDF ausdrucken und mitnehmen.

    Kindern Vorlesen: Tipps wie Sie Kindern Geschichten erzählen

    Vorlesen soll Freude bereiten und keinesfalls für Jung und Alt in ein langweiliges Erlebnis abdriften. Damit das Vorlesen zum Erfolg wird, müssen Sie verschiedene Voraussetzungen beachten:

    • Der Zeitpunkt
      Wenn Sie ein Kind aus einer interessanten Beschäftigung rausreißen, wird es Ihnen kaum mit Begeisterung zu hören wollen. Besser ist, wenn Sie dem Kind das Vorlesen ankündigen. Entwickeln Sie daraus ein Ritual: Ihr Enkelkind besucht Sie und weiß, zwischendurch gibt es eine kleine Vorlesezeit mit Oma in dem großen Ohrensessel und Opa liest mir eine Geschichte vor dem Schlafengehen vor.
    • Der äußere Rahmen
      Wenn Sie einem Kind ein Buch vorlesen, achten Sie darauf, dass es nicht von anderen Reizen abgelenkt wird. Fernseher und Radio sollten ausgeschaltet sein und andere Kinder nicht ausgelassen spielen, damit sich Ihr kleiner Zuhörer ganz auf Ihre Stimme konzentrieren kann.
    • Das Buch
      Passen Sie das Buch immer den Interessen des Kindes an. Oft finden Jungen Fußballgeschichten spannend, während Mädchen mit ihren Helden in Pferdebüchern träumen. Es gibt auch wissbegierige Kinder, die mit einem großen Lexikon unter dem Arm, sich alles über Dinosaurier vorlesen lassen möchten. Zum fortgeschrittenen Vorleser werden Sie, wenn Sie die Gefühlslage des Kindes aufgreifen. Zum Beispiel: Die Aufregung vor dem ersten Kindergartentag können Sie mit einem Bilderbuch über den Kindergarten aufgreifen. Auch das gemeinsame Stöbern in der Bücherei macht Spaß und bringt Sie einander näher.
    • Die Stimme
      Sprechen Sie langsam und deutlich. Machen Sie Pausen. An spannenden Stellen können Sie auch gerne einen Moment länger inne halten. Treten Sie mit dem Kind in Interaktion und fragen Sie, was denn wohl als nächstes passieren könnte. Betonen Sie zudem die wichtigen, zentralen Begriffe besondern

    Wem kann ich vorlesen?

    Sie würden gerne Kindern Geschichten vorlesen und wissen nicht, wie Sie Zuhörer finden können? Dazu haben wir einige Tipps für Sie.

    Zu allererst lohnt es sich in der nahen Umgebung umzuschauen. Vielleicht freut sich Ihr Sohn oder Tochter, wenn Sie Zeit mit Ihrem Enkel verbringen und sie ihren eigenen Dingen nachgehen können. Oder es gibt in der Nachbarschaft eine Familie, die sich darüber freut, wenn sie Ihre Vorlesekünste ihrem Kind zukommen lassen.

    Ehrenamtlich Kindern vorlesen

    Wer möchte, kann gerne in einem nahe gelegenen Kindergarten nachfragen, ob sie Interesse an einer ehrenamtlichen Lesepatin oder Lesepaten hätten. Die Erzieherinnen haben nicht immer die Zeit und Ruhe, den Kindern vorzulesen. Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass mit dieser Tätigkeit eine Erwartung an Sie geknüpft ist: Der Kindergarten plant Sie in das Rahmenprogramm ein und die Kinder warten auf Sie.

    Auch Grundschulen arbeiten mit Lesepaten. Wunsch der Lehrer ist, dass Sie mit Kindern das Lesen üben. Sie stellen Ihnen dafür Material zur Verfügung. Damit die Lesefreude sich bei den Schülern entwickelt, werden Sie auch hier die Möglichkeit haben, mit Kindern gemeinsam in einem Buch zu schmökern und vorzulesen. Denn schließlich muss das gelesene Abenteuer voranschreiten. Es ist nichts langweiliger, als immer und immer wieder auf einer Seite zu verharren.

    Wundern Sie sich nicht: Sowohl in den Kitas als auch in der Grundschule wird man ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis nach Paragraph 30a des Bundeszentralregistergesetzes fordern. Das ist ein Gesetz zum Schutz und Wohl des Kindes nach diversen Missbrauchsfällen. Es hat persönlich nichts mit Ihnen zu tun, sondern ist einfach Standard.

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    [Bildnachweis: ArtFamily by Shutterstock.com]
18. März 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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