Rituale: Sinnvoll für unser Sicherheitsgefühl

Rituale geben uns im tagtäglichen Leben Halt und Sicherheit. So ist es nicht verwunderlich, dass die meisten Menschen Ihre eigenen Rituale machen und entwickeln. Dennoch sollten wir es damit nicht übertreiben. Viele Menschen verwechseln sie mit Aberglauben und blockieren sich eher, anstatt sich einen Anker zu geben. Wir zeigen Definition und Beispiele für sinnvolle Rituale für Kinder und Erwachsene und wo und wie sie uns helfen können.

Rituale: Sinnvoll für unser Sicherheitsgefühl

Definition: Was sind Rituale? Einfach erklärt

Der Begriff der Rituale wird oftmals nur mit großen religiösen Zusammenhängen assoziiert, wo althergebrachte Traditionen regelrecht zelebriert werden: nicht nur in den großen Weltreligionen auch von Schamanen oder Predigern anderer Glaubensrichtungen.

Doch Rituale sind weit mehr als das. Jeder Mensch hat sie und viele pflegen sie bewusst, um ihrem Alltag Struktur aber auch Schönheit zu verleihen: Der morgendliche Kaffee, das Feierabendbier, die tägliche Fernsehsendung, die gleiche Einkaufszeit, die selbe Spazierstrecke, der jährlich gleichbleibende Urlaubsort – jeder hat so seine eigenen kleineren und größeren Rituale.

Rituale sind also persönliche Fixpunkte, die in regelmäßigen Abständen wieder und wieder zelebriert werden. In diesen Zeiten müssen wir keine Entscheidungen treffen – sie laufen automatisiert ab. Das gibt unserem Gehirn einen sicheren Anker und verursacht das Gefühl des Aufgehobenseins und der Geborgenheit.

Rituale bestimmen unser Leben

Solange nicht unser kompletter Tag von in Stein gemeißelten Ritualen zwanghaft bestimmt wird, ist das auch nichts Negatives. Erst wenn das Streben nach Ritualen und Routinen überhand nimmt, können uns diese einengen und unflexibel machen. Dann bringen wir uns womöglich um schöne, spontane Erlebnisse.

Wer im Berufsleben steckt, ist zwangsläufig gewissen Fixzeiten ausgesetzt, an die er sich halten muss. Diese sind durch Arbeit und die Wege dorthin aber auch durch den Tagesrhythmus der Familie in gewisser Weise vorgegeben.

Wenn wir in den Ruhestand gehen, sind wir davon prinzipiell frei. Dennoch sehnen sich viele Rentner nach einer Struktur im Tagesablauf.

Rituale: Beispiele für Rituale im Leben

Doch was ist ein Ritual genau? Zum Beispiel eine Feierlichkeit, die immer am gleichen Tag zelebriert wird. Das kann der Sonntagsbrunch sein, der Hochzeitstag oder der Stammtisch. Oder aber fixe Zeiten, zu denen sich Gewohnheiten etabliert haben. Beispielsweise das Powernapping, also der Mittagsschlaf.

Rituale Liste: Was sind Rituale im Alltag?

Je nach Tageszeit, Lebensphase und persönlichen Vorlieben gibt es verschiedene Rituale, die wir pflegen können. Wir haben einige Beispiele für Sie gesammelt – auch im Ihnen eine Inspiration zu geben, eventuell ein altes Ritual durch ein neues zu ersetzen – gerade, wenn Sie mit gewissen Tagesabläufen nicht sonderlich glücklich sind, diese aber aus Mangel an Alternativen dennoch weiter praktizieren:

  • Morgenritual
    Wir sind müde und verschlafen und müssen erst langsam in die Gänge kommen. Dabei kann es uns helfen, uns mit unserem Körper zu befassen. Viele Menschen widmen sich morgens Ihrem Körper und ihrem Geist: Sei es durch Gymnastik oder andere Bewegungen, durch Meditation, durch Yoga oder einen Spaziergang. Es muss eben nicht immer der Kaffee sein, ohne den wir uns einbilden, nicht fit werden zu können.
  • Freundesritual
    Gerade im Ruhestand können wir uns unseren sozialen Beziehungen intensiver widmen. Warum nicht täglich oder wöchentlich uns mit Freunden treffen. Das kann in unserem Lieblingscafé sein, aber auch eine feste Zeit, um gemeinsam Sport wie beispielsweise Nordic Walking zu betreiben, bietet sich hier an.
  • Familienritual
    Familienfeiern und -feste sind ein wichtiger Ankerpunkt und gewinnen immer mehr an Bedeutung wenn wir älter werden. Aber auch außerhalb dieser bestimmten Highlights sollten Sie bestimmte Zeiten ritualisieren, in denen Sie Ihre Kinder und Enkelkinder sehen oder zumindest mit ihnen telefonieren oder skypen, wenn die räumliche Distanz nichts anderes zulässt.
  • Ruheritual
    Sich zu seiner Lieblingsmusik zurückziehen, entspannt ein Buch lesen, ein Hobby nur für sich selbst pflegen – all das kann wichtig sein, um Zeit für uns selbst zu haben und zur Ruhe zu kommen. Das Bedürfnis nach innerer Einkehr wird gerade im Alter zunehmend wichtiger – geben Sie dem ruhig öfters nach und finden Sie heraus, was Ihnen dabei gut tut.
  • Abendritual
    Um abends zur Ruhe zu kommen und Abschied vom Tag zu nehmen, sollte es nicht zwangsläufig der Fernseher sein. Schalten Sie besser künstliche Lichtquellen aus und widmen Sie sich einem Zustand, in dem Sie in Ruhe den Tag Revue passieren lassen können: Ein Entspannungsbad mit Kerzen, das Führen eines Tagebuchs, schöne Musik – die Möglichkeiten dazu sind vielfältig.

Rituale Psychologie: Für was sind Rituale gut?

Rituale helfen uns dabei, Tage, Wochen oder ganze Jahre in ein geregeltes System zu unterteilen. So ist etwa der Sommerurlaub für viele Menschen ein sehr wichtiges Ritual, an dem Jahr für Jahr nicht zu rütteln ist – selbst wenn wir uns nicht mehr nach Terminen für Schulferien richten müssten.

Zugleich vermitteln Rituale ein Gefühl der Sicherheit. Es sind Situationen, die wir selbst kontrollieren, die wir im Griff haben und in- und auswendig kennen. Keine Neuheiten, kein Stress, keine Veränderung, keine Herausforderung, auf die wir reagieren oder an die wir uns anpassen müssen. Altbekanntes ist eben nicht unbedingt schlecht, sondern kann ein Punkt sein, an dem wir uns gerne ausrichten und uns erden können.

Als Ankerpunkte im Leben helfen Rituale auch in schwierigen Zeiten. Es sind Fixpunkte im eigenen Universum, die auch dann noch bestehen, wenn Stress, Belastungen oder Unsicherheit Sorgen bereiten. Rituale machen das Leben vorhersehbarer, kontrollierbar und damit einfacher.

Religiöse Rituale

Religiöse Rituale vermitteln vielen Menschen nicht nur Sicherheit, sondern auch die Besinnung auf ihren Glauben. Das Christentum ist zum Beispiel voller Rituale:

  • Taufe
  • Hochzeit
  • Abendmahl
  • Gebete
  • Konfirmation beziehungsweise Kommunion
  • Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen

Trauerrituale

Gerade bei einem Trauerfall können uns Rituale dabei helfen, besser Abschied zu nehmen und uns Erinnern zu können. Auf diese Weise können wir das Unfassbare ein Stückchen besser begreifen. Viele Trauerrituale sind gesellschaftlich vorgegeben, andere suchen wir uns selbst. Einige Beispiele für Trauerrituale:

  • Beerdigung
  • Leichenschmaus
  • Trauerfeier
  • Unfallkreuze
  • Erinnerungsstücke
  • Totenwache
  • Totenmaske

Da jede Trauer individuell ist und jeder Mensch anders trauert, ist es wichtig, dass Sie im Trauerfall auch Ihren persönlichen Weg und Ihr Trauerritual finden. Der eine genießt es zum Beispiel als Prozess des Abschiednehmens alte Fotos anzuschauen oder die gemeinsame Lieblingsmusik zu hören, andere wiederum belastet dies und vergrößert ihre Trauer nur noch.

Spirituelle Rituale

Aber nicht nur die christliche Kirche ist voll von symbolisch aufgeladenen Ritualen. Das trifft für alle Glaubensrichtungen zu. Und selbst wer keiner Religion angehört, kann von gewissen spirituellen Ritualen geprägt sein: Neben den weit verbreiteten Aberglauben wie einer schwarzen Katze, dem vierblättrigen Kleeblatt oder einem Schornsteinfeger, greifen die meisten Menschen vor allem in Situationen großer Unsicherheit zu ihren Glücksbringern und wenden sich dem Aberglauben zu.

Etwa bei einer Lottoziehung oder einer ausstehenden Diagnose beim Arzt. Neben der fehlenden Kontrolle ist die Wichtigkeit der Angelegenheit der zweite entscheidende Faktor. Je unsicherer wir sind und je bedeutsamer eine Sache für uns ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir auf spirituelle Rituale und Glücksbringer setzen.

Das Gefühl, durch Rituale Einfluss nehmen zu können

Viele erhoffen sich, so ein Stück weit die Kontrolle wiederzugewinnen und die Dinge eben doch beeinflussen zu können. Das Problem dabei ist, dass diese Menschen dann grundsätzlich die Verantwortung für vieles im Außen suchen, anstatt selbst zu überlegen, was sie eben doch beeinflussen können. Bei der Arztdiagnose zum Beispiel eine gesunde Lebensweise oder anstatt der Lottoziehung eher die Investition in eigenes Wissen, um daraus langfristig nicht nur finanzielle Vorteile zu ziehen.

Zwar kann so ein Aberglaube auch Optimismus vermitteln – dieser ist aber nur vordergründig und selten nachhaltig, da er nicht in den eigenen Stärken verwurzelt ist. Beispielsweise zeigt sich bei Menschen mit Spielsucht häufig ein Zusammenhang zum Aberglauben. Anstatt aufzuhören, setzen sie auf ihre Glücksbringer und verlieren meist immer mehr, bis es zu spät ist.

Auch können schlechtere oder sogar gefährliche Entscheidungen auf Aberglauben basieren, wenn man seine Wahl hauptsächlich auf bestimmte Signale begründet und dabei andere Fakten unbeachtet lässt.

Rituale im Leben: Killen Sie nicht Ihre Spontanität

Vielmehr sollten Sie Ihr Leben nicht von Ritualen und Aberglauben bestimmen lassen. Suchen Sie stattdessen lieber nach der Kraft und den Fähigkeiten in sich selbst. Rituale können uns dabei zwar helfen, sollten jedoch nie in einem „Wenn-Dann“ münden, nach dem Motto: „Wenn ich dieses tue, werde ich automatisch glücklicher“.

Wie bereits erwähnt, geben uns Rituale Sicherheit. Doch wie so oft gilt es, die richtige Balance zwischen Spontanität und festgelegten Abläufen zu finden.

Und auch bei den Ritualen selbst sollten wir uns darauf konzentrieren, dass sie uns nutzen und nicht nur Mittel zum Zweck werden, um Pech in gewissen Situationen zu vermeiden.

Die Bedeutung von Trauerritualen sollten wir allerdings nicht überschätzen. Sie können uns eine wertvolle Hilfe sein. Die Trauer komplett von uns zu nehmen, werden sie jedoch nie schaffen. Bei diesem Prozess hilft nur die Zeit und die Fokussierung auf zukünftige Aufgaben und das Wiedererlangen der Lebensfreude zu legen.

Rituale: Kinder besonders beeindruckt

Viele kennen es aus der eigenen Kindheit aber auch von den Kindern und Enkeln: Die Vorfreude auf Weihnachten oder den Geburtstag war riesig. Solche Feste waren ein Ankerpunkt im Leben, etwas Besonderes.

Für Kinder sind Rituale eine wichtige Orientierungshilfe, um sich entwickeln zu können. Dies behalten wir bis ins Alter fort. Zwar ändern sich die Rituale mitunter und die Bedeutung des einen Rituals zugunsten eines anderen verschiebt sich – an der grundsätzlichen Bedeutung von Ritualen ändert das jedoch nichts.

Das bedeutet für die Großeltern, nicht nur die Feste entsprechend bedeutsam für die Kinder zu gestalten. Es geht auch darum, kleine und persönliche Rituale zu entwickeln. Das kann beispielsweise das regelmäßige gemeinsame Kochen oder Backen sein oder bestimmte Ausflüge, die nur Enkel und Großeltern vorbehalten sind.

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[Bildnachweis: Golubovy by Shutterstock.com]
15. August 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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