Haustiere: Lust oder Last?

Haustiere bringen vielen Menschen Freude. Aber sie bedeuten fĂĽr die Besitzer auch Verantwortung fĂĽr ein hilfebedĂĽrftiges Wesen.

Dies ist nicht immer einfach – gerade im Alter. Daher sollte die Anschaffung eines Haustiers wohl überlegt sein.

Was dafĂĽr und was dagegen spricht, wo Sie Haustiere her bekommen und was es fĂĽr Alternativen gibt, erfahren Sie hier.

Haustiere: Lust oder Last?

Welche Tiere gelten als Haustiere

Der Unterschied zwischen Haus- und Wildtieren besteht in deren Domestikation, also ihrer Zähmung und Anpassung an den Menschen. Eine Mittelform bieten die Nutztiere, die zwar ebenfalls nicht mehr wild leben, aber dem Menschen im Gegensatz zum Haustier einen wirtschaftlichen Nutzen bringen – sei es durch ihre Arbeitskraft, ihr Fleisch oder ihren Eiern und der Milch, die sie von sich geben.

Ein Haustier bringt also auf den ersten Blick keinen Nutzen, sondern verursacht im Gegenteil nur zusätzliche Kosten. Dennoch hat das Halten von Haustieren eine lange Tradition: Bereits im römischen Reich war es üblich, sich Tiere als Statussymbol zu halten. Und schon seit der Eiszeit gilt der Hund als treuer Begleiter des Menschen – also lange bevor dieser sesshaft wurde.

Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Züchtungen immer ausgefeilter, um möglichst süße, putzige und oftmals dem Menschen ähnliche Gefährten zu haben. So haben viele Haustierarten mit der Zeit völlig die Fähigkeit verloren, sich ohne menschliche Hilfe in der Natur zurecht zu finden – ihr Verhalten ist zu großen Teilen auf den Halter ausgerichtet.

Heute gelten vor allem Katzen, Hunde, Vögel, Fische und Nagetiere als klassische Haustiere. Im öfter werden jedoch auch exotische Tierarten wie Reptilien zu Hause gehalten.

Für die Halter der Haustiere erfüllen ihre vierbeinigen Freunde einen wichtigen Zweck: Sie vermitteln ihnen Zufriedenheit und Glücksgefühle. Zudem lassen sich über Haustiere leichter Gleichgesinnte treffen – insofern verbinden die Tiere auch die Menschen miteinander.

DarĂĽber hinaus werden insbesondere Hunde aufgrund ihres exzellenten Geruchssinns auch gerne zur Hilfe eingesetzt: sei es als Therapiehund (zum Beispiel bei Diabetes), als Blindenhund, als Rettungshund oder SpĂĽrhund der Polizei.

Was spricht fĂĽr Haustiere im Alter, was dagegen?

Wer sein Leben lang an Haustiere gewöhnt war, wird im Alter schwerlich darauf verzichten können. Einen zu großen Raum hat die Liebe zu den Tieren im bisherigen Leben eingenommen. Für manche sind ihre Tiere sogar wichtiger als andere Menschen.

Doch gerade im Alter verändern sich die Umstände aber auch die persönlichen Bedürfnisse der Menschen. Daher tauchen plötzlich neue Argumente auf, die für aber auch gegen den Besitz eines Haustiers sprechen.

FĂĽr eine Anschaffung eines Haustiers im Alter spricht:

  • Gesellschaft âś“
    Viele Menschen fühlen sich im Alter einsam. Sei es, weil der Partner verstorben ist oder weil sie wenige Freunde haben und die Familie selten sehen. Als Rentner fehlt zudem der tägliche Austausch mit den Arbeitskollegen. Die gewonnene Zeit füllen viele mit der Zuneigung zu einem Haustier.
  • Seelische Ausgeglichenheit âś“
    Ein Tier verstellt sich nicht. Es zeigt seine Emotionen offen und frei heraus – anders als viele Menschen. Dies ist ein wesentlicher Grund, warum viele Menschen die Gesellschaft von Tieren so schätzen. Ihre Direktheit vermittelt den Haltern eine Berechenbarkeit im Leben und vermittelt so eine seelische Ausgeglichenheit.
  • Verantwortung âś“
    Nicht wenige Leute waren es in ihrem Leben stets gewohnt, Verantwortung zu übernehmen – sei es im Job oder für die Kinder. Fällt dies weg, fehlt etwas im Leben. Mit einem Haustier ist wieder ein Geschöpf da, das einen braucht und für das man sorgen kann.
  • Bewegung âś“
    Nicht alle Haustiere brauchen Auslauf. Doch gerade die in Deutschland so beliebten Hunde müssen täglich ein- oder mehrmals an die frische Luft – um ihre Notdurft zu verrichten, aber auch um psychisch und physisch gesund zu bleiben. Da sie dies nicht eigenverantwortlich können, zwingen sie ihre Halter geradezu dazu, bei jeder Wetter spazieren zu gehen. Dies hält nachweislich auch den Menschen fit, nicht nur das Tier.

Neben diesen schlĂĽssigen Argumenten fĂĽr den Besitz eines Haustiers im Alter, gibt es jedoch auch einige Argumente, die dagegen sprechen:

  • Versorgung âś—
    Im Alter nimmt das Risiko zu, schwer zu erkranken. Wenn das Frauchen oder das Herrchen pflegebedürftig und bettlägerig werden, müssen sie auch meist ihre Haustiere weggeben – oft tränenreich. Auch mit einer Demenz lässt sich nicht mehr verantwortungsvoll für ein anderes Lebewesen sorgen. Daher überlegen es sich viele Senioren zweimal, ob Sie die Verantwortung für ein Tier über längere Zeit übernehmen können.
  • Umzug âś—
    Eng mit dem letzten Punkt hängt auch der des Umzugs zusammen. Wird ein Umzug in Pflege- oder Altenheim unvermeidlich, muss man sich von seinem geliebten Tier trennen – selbst wenn man es noch versorgen könnte. Denn Altenheime akzeptieren aus hygienischen Gründen und aufgrund der Lärmbelästigung in der Regel keine Haustiere – völlig egal, um welche es sich dabei handelt. Ausnahmen sind nur sehr selten zu finden.
  • Kosten âś—
    Haustiere kosten Geld. Je größer, umso mehr: Futter, Behausungen, Zubehör, Tierarzt und bei Hunden noch die Haftpflichtversicherung, die Hundeschule und die Steuer. Das können schnell mal bis zu 2.000 Euro oder mehr pro Jahr und Tier sein – je nach Größe und Art. Wer im Beruf gut verdient hat, hatte diese Kosten vielleicht nicht so im Blick. Doch wenn im Alter nur noch eine kleine Rente übrig bleibt, können diese Kosten schnell zu Schulden führen.
  • Nachhaltigkeit âś—
    Gemäß einer Studie des Schweizer Ökobilanz-Unternehmens ESU hat die Haustierhaltung einen erheblichen Einfluss auf den ökologischen Fußabdruck eines Menschen und die Nachhaltigkeit. Neben zusätzlichen Autofahrten sind hier vor allem die industrielle Herstellung von Tierfutter und Zubehör anzuführen. Außerdem prangert die Tierschutzorganisation PETA an, dass viele Haustiere gar nicht artgerecht gehalten werden können und so entgegen ihres natürlichen Wesens verkümmern. Und auch jagende Katzen, die das Ökosystem durcheinander bringen (zum Beispiel durch das Töten von Singvögeln), sind laut PETA ein großes Problem.

Viele Senioren kommen daher zu dem Schluss, dass sie Alter nicht mehr langfristig für ein Tier verantwortlich sein möchten oder können. Da sich für sie die Frage stellt, wohin im Zweifelsfall mit dem Haustier, entscheiden sie sich nicht selten dagegen.

Info: Verbreitung von Haustieren

In 34,4 Millionen der deutschen Haushalte (das sind ungefähr vierzig Prozent) ist mindestens ein Haustier zu finden. Das beliebteste Haustier ist dabei die Katze. Die Zahlen und Fakten im Einzelnen laut Statista:

  • In 14,7 Millionen Haushalten in Deutschland leben Katzen.
  • In 10,1 Millionen Haushalten in Deutschland leben Hunde.
  • In 5,5 Millionen Haushalten in Deutschland leben Kleintiere (meist Kaninchen, Hamster oder Meerschweinchen).
  • In 4,8 Millionen Haushalten in Deutschland leben Ziervögel.
  • In 1,9 Millionen Haushalten in Deutschland befinden sich Aquarien<./li>
  • In 1,1 Millionen Haushalten in Deutschland leben Reptilien.

Woher bekomme ich ein Haustier?

Wer sich für ein Haustier entscheidet, sollte dies zunächst genau abgewogen und langfristig bedacht haben. Und selbst wenn Sie sich für ein Tier entscheiden, sollte dies verantwortungsvoll geschehen.

Zwar können sie bei Züchtern, von Privathaushalten oder in der Tierhandlung Ihre Haustiere fast nach Wunsch auswählen, wir empfehlen jedoch in diesem Zusammenhang eher das örtliche Tierheim. Viele Haustiere werden unbedacht gekauft und dann ausgesetzt oder direkt dort abgegeben. Diese Einrichtungen versorgen die Lebewesen dann und suchen nach neuen, verantwortungsvollen Haltern.

Zudem pflegen diese Einrichtungen auch internationale Kontakte, die dazu beitragen, dass Sie Haustiere aus anderen Ländern retten können, die verachtenswerterweise dort in den Müll geworfen wurden oder unter anderen tierquälerischen Bedingungen leiden mussten.

Info: Der neue Trend aus Japan – elektronische Haustiere

Seit dem Jahr 2010 erobert ein neuer Trend das asiatische Land Japan: elektronische Haustiere. Es begann mit süßen Robbenbaby-ähnlichen Robotern, die bei Bewohnern von Pflegeheimen zu therapeutischen Zwecken eingesetzt wurden und sich sofort zu einem überraschend großen Erfolg entwickelten.

Die Bewohner streichelten, kuschelten und sprachen mit den Maschinen, als wären es reale Haustiere. Untersuchungen ergaben, dass diese (mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten) Roboter tatsächlich die gleichen positiven Effekte auslösten wie echte Tiere: Freude, Trost, Nähe – all das fanden die Heimbewohner in diesen täuschend echt und individuell gestalteten elektronischen Haustieren.

In den folgenden Jahren setzte sich der Trend immer weiter durch. Die Entwicklungen wurden sowohl in puncto Verhalten, als auch im Aussehen weiter perfektioniert und sind heute nicht mehr nur als Robben, sondern auch als Hunde, Katzen und vielen anderen Tiergattungen erhältlich. In japanischen Altenheimen sind diese merkwürdig echt wirkenden Wesen tatsächlich nicht mehr wegzudenken.

Auch wenn dies aus unserer Sicht zunächst befremdlich erscheinen mag, so sind diese Roboter-Tiere nach wie vor in Japan der Renner. Da mehr als zwanzig Prozent der Einwohner über 65 Jahre sind und die Technikaffinität über die Landesgrenzen weg bereits legendär ist, bildet die japanische Gesellschaft womöglich in gewisser Hinsicht auch unsere Zukunft ab.

Insofern darf man gespannt sein, ob sich elektronische Haustiere auch eines Tages bei uns durchsetzen werden oder ob diese Vorliebe eine nationale Besonderheit bleiben wird.

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[Bildnachweis: Alena Ozerova by Shutterstock.com]
27. August 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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