Aktives Zuhören: Definition, Übungen, Regeln

Aktives Zuhören ermöglicht tieferes Verständnis dessen, was eine Person mitteilen will. Viele beherrschen nicht mal die wichtigsten Regeln der Kommunikation und warten nur darauf, selbst reden zu können. Das kann zu Missverständnissen führen. Damit Sie die vermeiden, erklären wir hier, was man unter aktivem Zuhören versteht, welche Merkmale und Regeln existieren und mit welchen Übungen Sie zu einem aktiveren Zuhörer werden…

Aktives Zuhören: Definition, Übungen, Regeln

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Definition: Was ist aktives Zuhören?

Aktives Zuhören bezeichnet die emotionale und sachliche Reaktion eines Zuhörers auf den Sprecher und seine Aussagen. Statt einfach nur passiv das Gesagte über sich ergehen zu lassen, besteht der aktive eigene Anteil darin, die volle Aufmerksamkeit der gerade stattfindenden Kommunikation zu widmen. Das signalisiert der Zuhörer einerseits durch Körpersprache (Mimik und Gestik). Andererseits zeigt sich das aktive Zuhören darin, dass sich Rückfragen und Anmerkungen auf den Inhalt des Gesagten beziehen.

Das Konzept des aktiven Zuhörens geht auf den amerikanischen Psychologen und Psychotherapeuten Carl Rogers zurück. Zuerst fand es in der Psychologie und Medizin Anwendung, bis es die allgemeine Kommunikation für sich entdeckte.

Was unterscheidet das Konzept?

Aktives Zuhören ist kein Automatismus: Häufig schweift der schweigende Gesprächspartner gedanklich ab, während der andere spricht. Beispielsweise bereitet er innerlich schon seine Gegenargumentation vor. Oder er ist mit etwas völlig anderem beschäftigt. Das Problem: Somit ist der schweigende Part vielleicht grob im Thema, aber die Einzelheiten entgehen ihm. Besonders die emotionale Komponente bleibt außen vor. Stimmungen oder nonverbale Botschaften nimmt er nicht wahr.

Beim aktiven Zuhören hingegen sind Sie nicht nur physisch, sondern auch psychisch präsent. Sie hören nicht nur etwas, sondern nehmen es aktiv auf. Dabei stellen Sie sich und Ihr Anliegen zurück, konzentrieren sich voll und ganz auf Ihren Gesprächspartner. Sich in den anderen hineinzuversetzen und die emotionale Ebene zu berücksichtigen, trägt zu einem fairen, angenehmen und erfolgreichen Miteinander bei.

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Aktives Zuhören: Ziele und Vorteile

Aktives Zuhören verbessert die menschliche Kommunikation. Das kommt nicht nur Teams im Berufsleben zugute, sondern ist überall hilfreich, wo es um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Mit aktivem Zuhören signalisieren Sie authentisches Interesse an Ihrem Gesprächspartner. Diese Wertschätzung nimmt Ihr Gegenüber wahr. So kann er sich leichter öffnen, was die Beziehung stärkt. Daneben lassen sich noch weitere Ziele verfolgen und Vorteile nutzen:

  • Weniger Missverständnisse
    Aktives Zuhören bedeutet, dass Sie mit Ihren Gedanken und Ihrer Konzentration bei Ihrem Gesprächspartner und seinem Thema sind. Das vermeidet Missverständnisse durch Unachtsamkeit, die Konflikte begünstigen könnten.
  • Seltenere Konflikte
    Wer das Gefühl hat, dass der andere nicht richtig zuhört, ist leichter gereizt. Die Unachtsamkeit des einen und die Gereiztheit des anderen entzünden sich schnell in einem Streit – der sich durch aktives Zuhören im Vorhinein hätte vermeiden lassen.
  • Tieferes Verständnis
    Wer lediglich hinhört, erfährt zwar die Nachricht, aber es entgeht ihm womöglich die tiefere Bedeutung. Wenn er hingegen aktiv zuhört, erlangt er besseres Verständnis.
  • Größeres Einfühlungsvermögen
    Durch aktives Zuhören trainieren Sie Ihre eigene Empathie. Sie müssen sich in Ihren Gesprächspartner hineinversetzen, versuchen seine Gefühle zu verstehen und nachzuvollziehen. Das stärkt Ihr persönliches Einfühlungsvermögen nachhaltig.
  • Bessere Verhandlungen
    Nicht zu unterschätzen ist der Vorteil des aktiven Zuhörens in Verhandlungen. Es lassen sich bessere Ergebnisse erzielen, da auf die Motive und Ziele beider Seiten eingegangen werden kann.

So funktioniert aktives Zuhören

Um aktives Zuhören zu praktizieren, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Die wichtigsten Voraussetzungen sind:

  • Konzentration

    Sie können nicht nebenher aktiv zuhören. Richten Sie stattdessen Ihren Fokus auf das Gespräch und Ihren Gesprächspartner. So nehmen Sie nicht nur auf der sachlichen, sondern auch auf der emotionalen Ebene Dinge wahr.

  • Offenheit

    Legen Sie Vorurteile ab und treten Sie Ihrem Gesprächspartner offen gegenüber. Nur dann können Sie auf die Inhalte eingehen.

  • Empathie

    Aktives Zuhören funktioniert, indem Sie sich in die Situation Ihres Gegenübers hineinversetzen, seine Emotionen wahrnehmen und möglichst exakt verstehen.

  • Interesse

    Für gelungene Kommunikation braucht es grundsätzliches Interesse am Gesprächspartner und dem, was er zu sagen hat. Anderenfalls erschwert es das aktive Zuhören und begünstigt Ablenkungen.

  • Authentizität

    Nur wer ernsthafte Beziehungen aufbauen will, kommt zum Ziel. Der manipulative Einsatz dieses Kommunikationstools entlarvt den Zuhörer schnell als unauthentisch.

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Übungen und Regeln für aktives Zuhören

Damit die zwischenmenschliche Kommunikation gelingt, sollten Sie verschiedene Regeln beachten. Die nachfolgenden Tipps sind gute Übungen, um verbal und nonverbal aktives Zuhören zu praktizieren. Wichtig: Ein übertriebener Einsatz aller Regeln wirkt leicht künstlich.

Auch sollten Gespräche nicht so ablaufen, dass einer 98 Prozent und der andere zwei Prozent Redeanteil hat – schließlich stehen sich im Alltag meist zwei gleichberechtigte Partner gegenüber. Sie wollen jedoch authentisch auf Ihr Gegenüber wirken. Schauen Sie in der konkreten Situation, was für Sie stimmig ist.

Halten Sie Blickkontakt

Während der Unterhaltung sollten Sie sich nicht wegdrehen oder einer anderen Beschäftigung nachgehen: Nur wer seinem Gesprächspartner während der Unterhaltung in die Augen blickt, zeigt volle Aufmerksamkeit. Sie demonstrieren so Ihr Interesse und dass Sie Ihr gegenüber wertschätzen. Vorsicht: Direktes Starren sollten Sie vermeiden. Stattdessen sollten Sie sympathisch und freundlich herüberkommen, zum Beispiel indem Sie lächeln.

Stellen Sie Rückfragen

Hat Ihr Gesprächspartner seinen Redebeitrag beendet, ist das ein guter Zeitpunkt für Rückfragen. Damit bewirken Sie zweierlei: Sie haben die Chance, etwaige Unklarheiten zu beseitigen und außerdem wirkt das Nachhaken deutlich interessierter, als wenn Sie übergangslos zu Ihrem Punkt kommen. Ihre Rückfragen sollten jedoch so gewählt sein, dass Ihr Gegenüber nicht exakt wiederholen muss, was er bereits zuvor gesagt hat. Das wäre eher ein Zeichen von schlechter Aufmerksamkeit. Stattdessen können Sie sich einzelne Aspekte erläutern lassen: „Wie genau soll das aussehen?“, „Könntest Du mir das bitte etwas genauer erklären?“

Geben Sie Rückmeldungen

Aktives Zuhören heißt nicht, dass Sie vollkommen still sein müssen. Im Gegenteil: Mit kurzen Rückmeldungen geben Sie Ihrem Gesprächspartner zu verstehen, dass Sie seinen Ausführungen folgen. Dazu reicht es, dass Sie beispielsweise etwas sagen wie: „Ich verstehe“, „Das kenne ich auch“ oder „Stimmt absolut“. Diese kurzen Einschübe senden Ihrem Gegenüber wichtige Signale. Gleichzeitig stören sie nicht zu sehr und halten die Kommunikation aufrecht.

Signalisieren Sie Zustimmung

Neben verbalen Signalen sollten Sie nonverbale Botschaften nutzen. Mimik und Gestik sollten zum Gesagten passen. Wenn Ihr Gesprächspartner etwa voller Wut oder Trauer von einem Erlebnis spricht, ist es wichtig, Verständnis zu zeigen. Mit Kopfnicken oder einer Hand auf der Schulter können Sie das unterstützen. In anderen Situationen können Sie ermutigend lächeln.

Fassen Sie Gesagtes zusammen

In der Kommunikation spricht man von paraphrasieren, wenn einer mit eigenen Worten wiederholt, was der Sprecher gesagt hat. Dafür fassen Sie lediglich das Wichtigste kurz zusammen. Sie können das nutzen, um eigene Anmerkungen zu ergänzen. Oder Sie haben hier ebenfalls Gelegenheit, bei Unklarheiten nachzufragen: „Verstehe ich das richtig, dass…“, „Meintest Du damit, dass…“ Das vermeidet Missverständnisse und daraus resultierende Konflikte.

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Aktives Zuhören nach Schulz von Thun

Aktives Zuhören ist im Ursprung ein gesprächstherapeutisches Konzept. Der amerikanische Psychologe Thomas Gordon übertrug dies auf die Kommunikation. Auf seinen Grundlagen basiert ein weiteres Kommunikationsmodell, „Vier Seiten einer Nachricht“. Es geht auf den deutschen Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun zurück, der damit herausstrich, dass jeder auf verschiedenen Ebenen kommuniziert:

Aktives Zuhören Schulz von Thun

Jede Botschaft hat 4 Seiten

Ganz gleich, welche Nachricht ein Sender hat, kann sie der Empfänger auf diesen vier verschiedenen Ebenen verstehen. Und umgekehrt: Der Sender kann sie auf vier verschiedene Arten kommunizieren.

Schwierigkeiten sind dann programmiert, wenn diese Ebenen nicht korrelieren: Beispielsweise nimmt ein Gesprächspartner (Empfänger) eine Botschaft auf der Appellebene wahr, obwohl der andere (Sender) sich vorrangig auf der Sachebene bewegt – oder umgekehrt. Aktives Zuhören und Rückfragen stellen sind daher eine hervorragende Möglichkeit, mögliche Missverständnisse auszuschließen oder schnell zu bereinigen.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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