Streit: Besser Konflikte lösen

Konflikte kommen in allen Familien vor, nur der Umgang damit ist recht unterschiedlich. Heftiger Streit, der darin endet, dass nicht mehr miteinander geredet wird, passiert oft. Das ist traurig, denn die Familie als kleinste soziale Einheit, ist für uns als Rückzugsort von großer Relevanz.

Konflikte lösen, so dass keiner verletzt wird, Meinungen austauschen und Kompromisse finden, mit denen jeder zufrieden ist, Streitfallen meiden und gemeinsam konstruktive Lösungen erreichen – wir geben Tipps für Ihre Beziehung und Familie …

Streit: Besser Konflikte lösen

Unterschied: Streit und Diskussion

Bei einer Familienfeier reden zwei Verwandte lautstark über Politik. Andere aus der Familie hören nur zu. Plötzlich steht ein Zuhörer auf und meint: Ich kann diese Streitereien nicht mehr aushalten., während andere sitzen bleiben und antworten: Wieso? Die diskutieren doch nur miteinander.

Was der eine als Streit auffasst, ist für den anderen nur eine Diskussion – oder umgekehrt. Wann handelt es sich eigentlich um einen Streit und wann ist es eine Diskussion?


Definition von Streit:

Ein Streit ist eine offen ausgetragene Meinungsverschiedenheit zwischen zwei oder mehreren Personen.
Sie muss nicht unbedingt feindselig sein, ist aber oft von Emotionen begleitet.
Die Ursache für einen Streit lässt sich meistens in einem Interessenkonflikt zwischen beiden finden.



Definition von Diskussion:

Eine Diskussion ist ein Gespräch zwischen zwei oder mehreren Personen.
In diesem Gespräch steht ein bestimmtes Thema im Mittelpunkt. Die Beteiligten tragen zu ihrer Sichtweise ihre Argumente vor.
Bei einem guten Diskussionsstil

  • wird das Gespräch von wechselseitigem Respekt getragen,
  • lassen die Beteiligten die gegenteiligen Argumente zu und überprüfen diese
  • und lässt jeder den anderen ausreden und geht auf das Gesagte ein.


Der größte Unterschied zwischen einem Streit und einer Diskussion sind die Emotionen. Die Gefühle sind es es auch, die es uns schwer machen, mit einem Streit umzugehen.

Ist Streit gut?

Im Volksmund heißt es, dass Streit gut für eine Beziehung sei. Streit sei wie ein kräftiges Gewitter, dass die Luft reinigen soll, halte die Beziehung lebendig und helfe einander besser zu verstehen. Was ist richtig an dieser Weisheit?

Tatsächlich ist es wissenschaftlich bewiesen, dass es zu mehr Stress führt, wenn wir Streit meiden. Wer seine Gefühle zurückhält und die Aussprache nicht sucht, strapaziert seinen eigenen Stresslevel. Er tut sich selber nichts Gutes, weil gesundheitliche Beschwerden folgen:

  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Verdauungsprobleme
  • Psychische Störungen wie Depression

Wer Konflikte meidet und über seine Gefühle nicht spricht, staut seine Wut auf und der Körper produziert viele Stresshormone wie Cortisol und Andrenalin. Das belastet.

Wer einem Streit nicht aus dem Weg geht, zeigt dem anderen, dass er für ihn persönlich wichtig ist. Sie ringen gemeinsam um eine Lösung und finden einen Kompromiss. Nach erfolgreicher Problemlösung produziert der Körper Glückshormone wie Endorphine – und die Beziehung wird zu dem gefestigt. Es lohnt sich also zu streiten.

Wie kann ich besser mit Streit umgehen?

Für Harmoniebedürftige sind Streitigkeiten kaum auszuhalten. Meinungsdifferenzen empfinden sie als Beziehungskrisen und weichen ihnen so gut es geht aus. Woran liegt das? Meistens lassen sich zwei Beweggründe ausmachen:

  • Erfahrungen
    Ob wir einen Konflikt furchtvoll begegnen oder nicht, ist stark davon abhängig, welche Erfahrungen wir gemacht haben. Wer erlebt hat, dass im Streit wertvolle Beziehungen zerbrochen sind, wird nicht offensiv den Schlagabtausch suchen, sondern eher nachgiebig sein oder sich zurückziehen.
  • Mangelndes Selbstbewusstsein
    War der Kontrahent in der Vergangenheit bei Differenzen überlegen? War er rhetorisch so gewandt, dass er andere Ansichten nicht bis zu ihm durchdrangen? Die Bereitschaft, eine Diskussion zuführen, ist dann nicht so groß. Wer mutig ist, sucht eine solche Herausforderung, Zaghafte hingegen weichen solchen Begegnungen aus.

Wenn Sie mit Streit besser umgehen möchten, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Überprüfen Sie für sich die Beziehung: Sind Sie im Grunde einander zugewandt? Dann Vertrauen Sie auf die Tragfähigkeit der Beziehung.
  • Sehen Sie in dem Streit eine Chance: Sie können die Umstände gemeinsam verbessern!
  • Bereiten Sie sich auf das Gespräch vor und sammeln Sie sachlich stichhaltige Argument für Ihre Sichtweise.
  • Schreiben Sie Ihre Gedanken auf.
  • Warten Sie mit der Diskussion bis Sie Ihre Gefühle unter Kontrolle haben.

Streit: In Beziehungen Konflikte klären

Viele sind der Auffassung, dass man sich in einer guten Beziehung nicht streitet. Aber sich zu lieben, heißt nicht immer gleicher Meinung zu sein. Einen Streit sollte deshalb nicht direkt als Symptom für eine Beziehungskrise bewertet werden.

Im Gegenteil: Ein Streit ist Teil einer Beziehung, den wir nicht meiden sollten. Durch gutgeführte Diskussionen können wir aneinander wachsen.

Soll ein Streit gewinnbringend für die Beziehung sein, muss jedoch vorher klar sein, wie am besten gestritten wird. Es gibt gewisse Regeln, damit beide glücklich und zufrieden aus dem Gespräch rausgehen.

Es ist wichtig zu beachten,

  • was man sagt,
  • warum man etwas sagt
  • und vor allem wie man etwas sagt.

Die wichtigste Grundregel ist: Zuhören. Auch wenn die Emotionen drohen hoch zu kochen, muss immer die Basis sein: Ich lassen den anderen aussprechen, auch wenn ich selber gerne zu Wort kommen möchte.


Das größte Kommunikationsproblem ist, dass wir nicht zu hören um zu verstehen. Wir hören zu, um zu antworten. (unbekannt)

Ein weitere wichtige Basis für ein gelungenes Gespräch ist der Zeitpunkt. Er muss gut ausgewählt werden. Wenn einer von beiden gerade gestresst ist und gerade von einem anstrengenden Tag nach Hause gekommen ist, macht es wenig Sinn ein schwieriges Gespräch zu starten. Der negative Verlauf ist dann praktisch programmiert. Entspannt lässt es sich leichter über konfliktträchtige Themen reden.

Was: Das Streitthema genau definieren

Bevor Sie das Gespräch starten, machen Sie sich selber bewusst, um was es Ihnen gerade geht. Am besten lassen sich Dinge klären, die sich auf eine spezifische Situation aus der jüngsten Vergangenheit beziehen. Picken Sie sich einen Vorfall heraus und besprechen Sie diesen. Das ist einfacher, als wenn viele Punkte auf einmal angesprochen werden.

Überlegen Sie sich genau, wie gewichtig das Thema ist. Es lohnt sich nicht, Kleinigkeiten aufzubauschen und aus der Mücke einen Elefanten zu machen.

Des weiteren vermeiden Sie unbedingt generalisierenden Vorwürfe: Du machst das immer! Solche Äußerungen wird Ihr Partner als Übertreibung abtun und Sie nicht mehr ernst nehmen.

Wenn Sie für Ihre Beziehung heute etwas erreichen wollen, beziehen Sie sich besser auch auf eine Situation aus der Gegenwart. Diesen Konflikt können Sie beide nachvollziehen, weil er Ihnen noch präsent ist.

Alte Kamellen von früher lohnt nicht vor zu kramen, weil Sie sie beide verklärt erinnern. Wenn es Ihnen aber wichtig ist, alte Streitigkeiten aufzuarbeiten, weil es Sie immer noch akut belastet, suchen Sie sich dafür unbedingt einen guten Zeitpunkt mit viel Ruhe aus – und bereiten Sie sich gedanklich darauf vor.


Warum: Die eigene Motivation hinterfragen

Sie sind nicht gut beraten, wenn Sie nach einem schlechten Tag zu Hause eine Diskussion beginnen. Angespannt werden Sie sich vermutlich sachlich nicht unterhalten können. In solchen Momenten droht ein gut gemeintes Gespräch in Dampf ablassen zu enden. Wenn Sie sich genervt fühlen, gehen Sie besser eine Runde spazieren, bis sie alles gelassener sehen können.

Ein Streit ist kein Wettkampf, bei dem am Ende ein Gewinner und ein Verlierer da steht. Sie treten im Streit als Team an und suchen gemeinsam nach einer Lösung. Ein Kompromiss, dem beide zufrieden zustimmen können, ist das Ziel.


Wie: Den eigenen Standpunkt vortragen

Wie bereits gesagt, – es ist immer wichtig, den Zeitpunkt aber auch den Ort im Blick zu haben. Niemals sollten Sie den anderen bloß stellen, das heißt einen Streit beginnen, wenn andere – etwa Freunde oder Familienmitglieder zuhören kann. Ein Streit, bei dem Sie Kritik üben, ist immer ein Vier-Augen-Gespräch. Jemanden vor anderen zu denunzieren wirkt nur verletzend.

Der Ton macht die Musik. – das ist keine neue Erkenntnis. Lautstark angeschrieen kann kein Mensch eine Kritik annehmen. Wird sie hingegen sachlich und ruhig vorgetragen, regt sie zum Nachdenken an.

Wenn Sie Ihren Liebsten etwas Kritisches mitteilen wollen, sollten Sie ihnen Ihre Liebe zeigen, in dem Sie respektvoll sprechen, auf keinen Fall Verachtung zeigen, sie gering schätzen oder eine abwertende Bemerkung machen.

Drücken Sie Ihre Sichtweise aus, in dem Sie möglichst Ich-Sätze und keine Du-Sätze verwenden. Statt: Du machst mich so sauer, weil du schon wieder nicht mitgeholfen hast., sagen Sie besser: Ich bin wütend, weil ich alles alleine machen musste. Der so vorgebrachte Unmut lässt dem anderen einen größeren Spielraum zu reagieren. Er kann leichter äußern, dass ihm etwas leid tut und wird nicht direkt in eine Verteidigungsposition manövriert.

Bei aller Rede darf die non-verbale Sprache nicht außer Acht gelassen werden. Nicht nur Worte teilen Gefühle mit, sondern auch Gestik, Mimik und Tonfall. Kosenamen wie Schatz im aggressiven Tonfall – das passt nicht. Nase rümpfen oder den Blick abwenden geben auch eine Message weiter. Wenn Sie Ihre Meinung kundtun, wenden Sie sich Ihrem Gesprächspartner zu, schauen Sie ihm in die Augen und versuchen Sie neutral zu bleiben. Dann kann er leichter Ihre Worte aufnehmen.

Das Schönste am Ende ist immer die Versöhnung. Fragen Sie ruhig nach: Bist du wieder gut mit mir? Haben wir Frieden miteinander? Wenn Ihnen mit einem klarem Ja geantwortet wird, können Sie die Angelegenheit als bearbeitet und erledigt betrachten.


Einen Streit so zu führen, dass Emotionen gezeigt werden und dennoch nach einem Meinungsaustausch eine gemeinsame Lösung gefunden wird, muss man regelrecht lernen und üben. Es hat viel mit gedanklicher Vorbereitung und Selbstkontrolle zu tun.

Manche setzen deshalb lieber auf Rückzug. Sie verlassen das Feld ohne sich zu äußern. Das ist ein einfacher, einsamer Weg. Er bietet zwar eine Form des Selbstschutzes, weil man sich selber wenig angreifbar macht. Gleichzeitig wirkt es aber so, als ob man sich nicht für den Konflikt interessiere.

Auch Nachgiebigkeit hilft nicht wirklich aus Konfliktsituationen. Wer seine eigenen Bedürfnisse leugnet, trägt nicht zur Lösung eines Problems bei, sondern erreicht nur einen vorübergehenden Frieden. Gelöst wird in diesem Fall nichts. Im Gegenteil: Es staut sich Groll an und der Nachgiebige erwartet Dankbarkeit. Das wiederum birgt neues Konfliktpotenzial in sich.

Richtig streiten

Sie möchten diskutieren, dabei auch Ihre Gefühle zeigen, aber es soll keine explosive Unterhaltung werden? Dann sollten Sie die folgenden Tipps beherzigen:


Geben Sie Fehler zu.
Du hast Recht mit dem, was du sagst. Dieses Eingeständnis nimmt Ihrem Gegenüber den Wind aus den Segeln. Viele wollen einfach nur hören, dass sie recht haben. Danach können sie viel besser zu hören und selber Eingeständnisse machen.

Verbalisieren Ihre Gefühle.
Ich fühle mich …, wenn du so etwas sagst! Dieses Bekenntnis führt bei dem anderen zur Beißhemmung. Wer seine Gefühle offenbart, macht sich selbst verletzbar. Kaum einer möchte dann weiter die verbale Keule schwingen.

Zeigen Sie Empathie.
Es tut mir leid, wenn dich das verletzt hat. Sag mir, wie du dich fühlst, damit ich dich besser verstehen kann. In 99 Prozent aller Diskussionen haben beide irgendwie recht. Jeder hat seinen Teil zum Streit beigetragen. Was der andere braucht, ist das Gefühl verstanden zu werden. Wer sich wahrgenommen fühlt, kann besser zuhören.

Rücken Sie gemeinsame Ansichten in den Mittelpunkt.
Oft scheinen die Fronten zunächst verhärtet. Die Standpunkte sind weit auseinander. Im Gespräch stellt sich dann heraus, dass es vielleicht mehr gibt, was eint, als dass es trennt. Wer den Blick auf die gemeinsamen Nenner lenkt, findet eher Kompromisse.

Seien Sie ehrlich.
Wenn im Gespräch die verschiedenen Ansichten erörtert werden, stellt der ein oder andere fest, dass er die Lage falsch eingeschätzt hat. Dies mit dem einfachen Satz: Ich habe einen Fehler gemacht und bin mir dessen bewusst. zuzugeben, lenkt das Gespräch zur Lösung.


Streitfallen

Da nimmt man sich vor, in Ruhe ein Gespräch zu führen und es endet doch im Drama – Tränen, Schreien oder demonstratives Schweigen. Wenn Sie aufmerksam sich selber und Ihren Gesprächspartner beobachten, können Sie sich vor derartigen Gefühlsausbrüchen bewahren und sich stets auf einem angemessenen Level unterhalten. Die folgenden Punkte sollten Sie unbedingt vermeiden:

  • Zu hoher Erregungszustand

    Wenn das Wasser in den Augen steht, die Stimme bebt und der Körper bebt, ist der Erregungszustand definitiv so hoch. So kann sich kein Mensch mehr in Ruhe unterhalten. Das Gespräch wird höchst wahrscheinlich sehr emotional erfolglos enden. Wenn Sie bei sich selber oder bei Ihrem Gegenüber einen derartigen Zustand beobachten, pausieren Sie besser. Verlassen Sie den Raum und sammeln Sie sich erst einmal. Wenn sich alle Beteiligten beruhigt haben, kann das Gespräch weiter geführt werden.

  • Überzogene Kritik

    Du bist immer so unzuverlässig. Wer verallgemeinert und generalisiert, urteilt überzogen. Der Gesprächspartner wird unweigerlich ausweichen, um sich selber zu schützen und eine Gegenoffensive starten. Damit beginnt eine Vorwurf-Spirale: Jeder wirft dem anderen vor, was er alles falsch macht. Zielführend ist das nicht.

  • Gegenattacken

    Einfach die Beobachtungen des anderen stehen lassen und auf sich wirken lassen – wer das kann, dessen Stolz ist nicht zu groß. Wer damit Probleme hat, fühlt sich angegriffen und wird ganz schnell vom eigenen Fehlverhalten ablenken und dem anderen sogar etwas vorwerfen, was mit der Situation nichts zu tun hat

  • Falsche Körpersprache

    Ich habe doch gar nichts Schlimmes gesagt. Es sind nicht nur die Worte die Signale aussenden. Auch der Körper spricht: Etwa Augen verdrehen oder den Kopf abwenden zeigen, dass Sie genervt sind. Ihr Gesprächspartner nimmt auch die non-verbalen Signale wahr.

  • Beleidigungen

    Keine Frage, verbale Entgleisungen in der Unterhaltung gehen in eine ganz falsche Richtung. Hämischer Spott, Schimpfwörter und Sarkasmus dürfen unter keinen Umständen genutzt werden. Sie verletzen zu stark und bedeuten das Ende jedes konstruktiven Streits.

Streiten: Sprüche

Ein langer Streit beweist, dass beide Seiten unrecht haben. (Voltaire)

Man sollte nie im Streit auseinandergehen. Man weiß nie, was morgen passiert. (unbekannt)

Kinder streiten sich und spielen danach trotzdem wieder miteinander. Warum? Weil ihnen ihr Glück wichtiger ist als ihr Stolz (unbekannt)

Wenn schon beim kleinsten Streit dein Herz weh tut, dann ist es die wichtigste Person in deinem Leben. (unbekannt)

Wenn eine Frau einen Streit mit “ Erstens…“ beginnt, dann lauf. Denn sieh hat sich vorbereitet mit Daten, Fakten, Diagrammen und Tabellen. (unbekannt)

Großes geht verloren, wenn man sich um Kleinigkeiten zankt. (unbekannt)

Wer anfängt zu schweigen, spricht härter, als Wörter je könnten. (unbekannt)

Wahre Freunde erkennt man daran, dass sie Geheimnisse im Streit nicht gegen einen verwenden. (unbekannt)


[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
4. Juli 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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