Streit: Besser Konflikte lösen in der Beziehung

Streit kommt in den besten Familien vor. Das muss zunächst nicht weiter beunruhigen, denn er dient der Klärung von Meinungsunterschieden. Hier liegt allerdings der Haken: Um Streit schlichten zu können, muss ein gemeinsamer Kommunikationsweg gefunden werden. Dafür zeigen wir die Unterschiede zwischen Streit, Konflikt und Diskussion. Wir erklären, wie Sie Konflikte lösen, so dass keiner verletzt wird, wie Sie Meinungen austauschen und tragfähige Lösungen finden.

Streit: Besser Konflikte lösen in der Beziehung

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Definition: Was ist Streit?

Ein Streit ist eine offen ausgetragene Meinungsverschiedenheit zwischen zwei oder mehreren Personen. Sie muss nicht unbedingt feindselig sein, ist aber oft von Emotionen begleitet. Die Ursache für einen Streit lässt sich meistens in einem Interessenkonflikt zwischen beiden Streitparteien finden. Synonym zu Streit ist auch von Zank, Zwist oder Streitigkeiten die Rede.

Ein anderer Begriff für Streit ist Konflikt. Das Wort leitet sich vom lateinischen „confligere“, zusammenprallen, ab. Gemeint ist der Zusammenstoß von zwei Parteien – das können Personen oder auch ganze Staaten sein, etwa beim Nahostkonflikt. Im Unterschied zum Streit, der sich schnell auflösen kann, handelt es sich bei einem Konflikt um wiederkehrende Probleme. Vielen Streitigkeiten liegen ältere Konflikte zugrunde.

Unterschied zwischen Streit und Diskussion

Eine Diskussion ist ein Gespräch zwischen zwei oder mehreren Personen. In diesem Gespräch steht ein bestimmtes Thema im Mittelpunkt. Die Beteiligten tragen zu ihrer Sichtweise ihre Argumente vor. Bei gutem Diskussionsstil wird das Gespräch von wechselseitigem Respekt getragen. Die Beteiligten lassen die gegenteiligen Argumente zu und überprüfen diese. Außerdem lässt jeder den anderen ausreden und geht auf das Gesagte ein. Der größte Unterschied zwischen einem Streit und einer Diskussion sind die Emotionen. Die Gefühle sind es es daher, die es uns schwer machen, mit einem Streit umzugehen.

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Warum gibt es Streit?

Streit entzündet sich an unterschiedlichen Meinungen. Jemand ist von einer Sache 100 Prozent überzeugt und will, dass die andere Person das genauso sieht. Allein die eigene Ansicht wird für zulässig erachtet – sieht der andere Part das für sich allerdings genauso, bricht der Streit aus. Grund dafür sind unerfüllte, falsche Erwartungen. Ein Klassiker in diesem Bereich sind beispielsweise Streitigkeiten innerhalb der Familie zu Weihnachten. Oder wenn Paare endlich gemeinsamen Urlaub haben und aneinandergeraten.

Der Streit ist nun die Chance, darüber zu sprechen, was sich über einen längeren Zeitraum angestaut hat. Gelingt dies, können die Konfliktparteien die falschen Erwartungen beiseite räumen. Gelingt es allerdings nicht, eskaliert ab irgendeinem Punkt die Meinungsverschiedenheit. Keiner ist mehr für die Argumente der Gegenseite zugänglich. Gewinnt nun die eine Seite, weil sie sich mit ihrer Forderung durchsetzen kann, ist der Zank zwar beendet, das Problem dahinter jedoch nicht gelöst.

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Streit in der Beziehung

Streit sei wie ein kräftiges Gewitter, das die Luft reinigen soll und die Beziehung lebendig halte, heißt es. Es helfe einander besser zu verstehen. Tatsächlich ist wissenschaftlich bewiesen, dass es zu mehr Stress führt, wenn wir Streit meiden. Wer seine Gefühle zurückhält und sich der Aussprache entzieht, erhöht seinen eigenen Stresslevel. So kann sich Wut aufstauen. Der Körper produziert dann viele Stresshormone wie Cortisol und Andrenalin. Das belastet. Oft folgen gesundheitliche Beschwerden:

Wer hingegen einem Streit nicht aus dem Weg geht, zeigt dem anderen, dass er für ihn persönlich wichtig ist. Sie ringen gemeinsam um eine Lösung und finden einen Kompromiss. Nach erfolgreicher Problemlösung produziert der Körper Glückshormone wie Endorphine – und die Partnerschaft wird zudem gefestigt.

Wie kann ich besser mit Streit umgehen?

Harmoniebedürftige empfinden Meinungsdifferenzen schnell als Beziehungskrise und weichen ihnen so gut es geht aus. Grund dafür sind einerseits Erfahrungen: Wer erlebt hat, dass im Streit wertvolle Beziehungen zerbrochen sind, wird nicht offensiv den Schlagabtausch suchen, sondern eher nachgiebig sein oder sich zurückziehen.

Ein anderer Grund ist mangelndes Selbstbewusstsein: War bei vergangenen Konflikten der Kontrahent überlegen und rhetorisch so gewandt, dass andere Ansichten nicht bis zu ihm durchdrangen, schmälert das die Diskussionsbereitschaft. Dabei sind Streit und das Verteidigen der eigenen Position wichtig fürs Selbstwertgefühl. Wer mit Streit besser umgehen möchte, sollte folgende Punkte beachten:

  • Überprüfen Sie für sich die Beziehung.
    Sind Sie im Grunde einander zugewandt? Dann vertrauen Sie auf die Tragfähigkeit der Beziehung.
  • Sehen Sie in dem Streit eine Chance.
    Sie können die Umstände gemeinsam verbessern.
  • Bereiten Sie sich auf das Gespräch vor.
    Sammeln Sie sachlich stichhaltige Argument für Ihre Sichtweise.
  • Schreiben Sie Ihre Gedanken auf.
    Das macht es leichter, sie später in die passenden Worte zu fassen.
  • Wählen Sie den geeigneten Zeitpunkt.
    Warten Sie mit der Diskussion, bis Sie Ihre Gefühle unter Kontrolle haben.
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Tipps zum richtigen Streiten

Sie möchten diskutieren, aber es soll keine explosive Unterhaltung werden? Dann sollten Sie die folgenden Tipps beherzigen:

  • Geben Sie Fehler zu
    „Du hast Recht mit dem, was du sagst.“ Dieses Eingeständnis nimmt Ihrem Gegenüber den Wind aus den Segeln. Werden im Gespräch die verschiedenen Ansichten erörtert, stellt einer womöglich fest, dass er die Lage falsch eingeschätzt hat. Dies mit dem einfachen Satz zuzugeben („Ich habe einen Fehler gemacht und bin mir dessen bewusst“), lenkt das Gespräch zur Lösung. Viele wollen einfach nur hören, dass sie Recht haben. Danach können sie viel besser zu hören und selber Eingeständnisse machen.
  • Verbalisieren Ihre Gefühle
    „Ich fühle mich …, wenn du so etwas sagst!“ Dieses Bekenntnis führt bei dem anderen zur Beißhemmung. Wer seine Gefühle offenbart, macht sich selbst verletzbar. Kaum einer möchte dann weiter die verbale Keule schwingen.
  • Zeigen Sie Empathie
    „Es tut mir leid, wenn dich das verletzt hat. Sag mir, wie du dich fühlst, damit ich dich besser verstehen kann.“ In 99 Prozent aller Diskussionen haben beide irgendwie Recht. Jeder hat seinen Teil zum Streit beigetragen. Was der andere braucht, ist das Gefühl, verstanden zu werden. Wer sich wahrgenommen fühlt, kann besser zuhören.
  • Fokussieren Sie Gemeinsamkeiten
    Oft scheinen die Fronten verhärtet. Die Standpunkte sind weit auseinander. Im Gespräch stellt sich dann heraus, dass es vielleicht mehr gibt, was eint, als dass es trennt. Wer den Blick auf die gemeinsamen Nenner lenkt, findet eher Kompromisse.

So lassen sich Streitfallen vermeiden

Tränen, Schreien oder demonstratives Schweigen: Solche unschönen Szenen würden viele gerne ausklammern. Dazu sollten Sie aufmerksam sich und Ihren Gesprächspartner beobachten und sich stets auf einem angemessenen Level unterhalten. Die folgenden Punkte sind unbedingt zu vermeiden:

  • Hoher Erregungszustand
    Wenn das Wasser in den Augen steht, die Stimme und der Körper beben, ist der Erregungszustand zu hoch. So kann sich kein Mensch in Ruhe unterhalten. Das Gespräch wird höchstwahrscheinlich erfolglos enden. Wenn Sie bei sich oder bei Ihrem Gegenüber einen derartigen Zustand beobachten, pausieren Sie besser. Verlassen Sie den Raum und sammeln Sie sich. Haben sich alle Beteiligten wieder beruhigt, kann das Gespräch weitergeführt werden.
  • Überzogene Kritik
    „Immer“, „nie“, „ständig“ – wer verallgemeinert und generalisiert, urteilt überzogen. Der Gesprächspartner wird unweigerlich ausweichen, um sich zu schützen und eine Gegenoffensive starten. Damit beginnt eine Vorwurf-Spirale: Jeder wirft dem anderen vor, was er alles falsch macht. Zielführend ist das nicht.
  • Unmittelbare Gegenattacken
    Einfach die Beobachtungen des anderen stehen lassen und auf sich wirken lassen – wer damit Probleme hat, fühlt sich angegriffen und wird ganz schnell vom eigenen Fehlverhalten ablenken. Und in der Folge vermutlich dem anderen sogar etwas vorwerfen, was mit der Situation nichts zu tun hat.
  • Abwertende Gesten
    Es sind nicht nur die Worte, die Signale aussenden. Auch der Körper spricht: Wenn Sie Augen verdrehen oder den Kopf abwenden, zeigen Sie, dass Sie genervt sind. Ihr Gesprächspartner nimmt dann vor allem die non-verbalen Signale wahr. Stattdessen lieber zuwenden, in die Augen schauen und versuchen, neutral zu bleiben. Dann kann er leichter Ihre Worte aufnehmen.
  • Persönliche Angriffe
    Verbale Entgleisungen in der Unterhaltung gehen in eine ganz falsche Richtung. Hämischer Spott, Beleidigungen, Schimpfwörter und Sarkasmus sind stark verletzend und bedeuten das Ende jedes konstruktiven Streits.

Wer merkt, dass er in eine oder gar mehrere dieser Streitfallen hineintappt, sollte dies in Ruhe reflektieren. Eine Auszeit kann im äußersten Fall eine Lösung sein. Denn manchmal kommt durch Abstand die Liebe zurück.

3 Schritte, wie Sie Konflikte lösen

Sich zu lieben, heißt nicht automatisch, immer gleicher Meinung zu sein. Einen Streit sollte deshalb nicht direkt als Symptom für eine Beziehungskrise bewertet werden. Im Gegenteil: Durch gut geführte Diskussionen können wir aneinander wachsen. Die wichtigste Grundregel ist dabei: Zuhören, nicht unterbrechen. Auch wenn man selbst gern zu Wort kommen möchte, sollte man den anderen aussprechen lassen. Darüber hinaus sollten Sie folgende Dinge beachten:

Was: Das Streitthema genau definieren

Machen Sie sich bewusst, um was es Ihnen gerade geht. Beziehen Sie sich auf eine Situation aus der Gegenwart oder jüngsten Vergangenheit. Diesen Konflikt können Sie beide nachvollziehen, weil er Ihnen noch präsent ist. Und er lässt konkrete Handlungsmöglichkeiten für die nahe Zukunft zu. Picken Sie sich nur einen Vorfall heraus und besprechen Sie diesen. Das ist einfacher, als viele Punkte auf einmal anzusprechen. Überlegen Sie sich genau, wie gewichtig das Thema ist. Es lohnt sich nicht, Kleinigkeiten aufzubauschen und aus der Mücke einen Elefanten zu machen.

Warum: Die eigene Motivation hinterfragen

Nach einem schlechten Tag sollten Sie zu Hause keine Diskussion beginnen. Die Anspannung erschwert eine sachliche Unterhaltung und ein gut gemeintes Gespräch droht in Chaos zu enden. Der Partner fungiert höchstens als Blitzableiter. Wenn Sie sich genervt fühlen, gehen Sie besser eine Runde spazieren, bis sie die nötige Gelassenheit besitzen. Ein Streit ist kein Wettkampf, bei dem am Ende ein Gewinner und ein Verlierer da steht. Sie treten im Streit als Team an und suchen gemeinsam nach einer Lösung. Ziel sollte ein Kompromiss sein, dem beide zufrieden zustimmen können.

Wie: Den eigenen Standpunkt vortragen

Üben Sie Kritik immer unter vier Augen. Ein Streit vor anderen wirkt entblößend und verletzend. Zudem macht der Ton die Musik. Kritik sachlich und ruhig vorgetragen, regt eher zum Nachdenken an als abwertende Bemerkungen. Drücken Sie Ihre Sichtweise aus, indem Sie möglichst Ich-Sätze verwenden und Du-Sätze vermeiden. Statt: „Du machst mich so sauer, weil du schon wieder nicht mitgeholfen hast“, sagen Sie besser: „Ich bin wütend, weil ich alles alleine machen musste.“ Der so vorgebrachte Unmut lässt dem anderen einen größeren Spielraum zu reagieren. Er kann leichter äußern, dass ihm etwas leid tut und wird nicht direkt in eine Verteidigungsposition manövriert.

Konfliktlösung wichtig für Versöhnung

Das Schönste am Ende ist immer die Versöhnung. Fragen Sie ruhig nach: „Bist du wieder gut mit mir? Haben wir Frieden miteinander?“ Wenn Ihnen mit einem klarem Ja geantwortet wird, können Sie die Angelegenheit als erledigt betrachten. Einen Streit so zu führen, dass Emotionen gezeigt werden und dennoch nach einem Meinungsaustausch eine gemeinsame Lösung gefunden wird, muss man aber regelrecht lernen und üben. Es hat viel mit gedanklicher Vorbereitung und Selbstkontrolle zu tun.

Manche setzen deshalb lieber auf Rückzug. Sie verlassen das Feld ohne sich zu äußern. Das ist ein einfacher Weg. Er bietet zwar eine Form des Selbstschutzes, weil man sich wenig angreifbar macht. Gleichzeitig wirkt es aber so, als ob man sich nicht für den Konflikt interessiere. Nachgiebigkeit hilft daher nicht Konfliktsituationen. Wer seine eigenen Bedürfnisse leugnet, erreicht nur einen vorübergehenden Frieden. Gelöst hat er in diesem Fall nichts. Im Gegenteil: Es staut sich Groll an und der Nachgiebige erwartet Dankbarkeit. Das wiederum birgt neues Konfliktpotenzial in sich.


Streit: Sprüche zum Nachdenken

Streit hat nicht selten auch mit Enttäuschung zu tun: Wir sind enttäuscht darüber, dass der andere unsere Haltung nicht versteht. Besonders wenn es uns nahestehende Personen sind, ist der Frust über das Unverständnis groß. Eine Erfahrung, die wohl jeder Mensch kennt. Viele kluge Köpfe haben sich bereits Gedanken zu Streit und Zank gemacht. Die nachfolgenden Sprüche und Zitate laden dazu ein, innezuhalten und über Streit und unterschiedliche Ansichten nachzudenken.

  • „Ein langer Streit beweist, dass beide Seiten Unrecht haben.“ (Voltaire)
  • „Das größte Kommunikationsproblem ist, dass wir nicht zuhören um zu verstehen. Wir hören zu, um zu antworten.“ (Unbekannt)
  • „Die schlimmsten Streitigkeiten entstehen erst dann, wenn beide Seiten gleichermaßen im Recht und im Unrecht sind.“ (Winston Churchill)
  • „Man sollte nie im Streit auseinandergehen. Man weiß nie, was morgen passiert.“ (Unbekannt)
  • „Kinder streiten sich und spielen danach trotzdem wieder miteinander. Warum? Weil ihnen ihr Glück wichtiger ist als ihr Stolz.“ (Unbekannt)
  • „Wenn schon beim kleinsten Streit dein Herz weh tut, dann ist es die wichtigste Person in deinem Leben.“ (Unbekannt)
  • „Wenn eine Frau einen Streit mit „Erstens…“ beginnt, dann lauf. Denn sie hat sich vorbereitet mit Daten, Fakten, Diagrammen und Tabellen.“ (Unbekannt)
  • „Großes geht verloren, wenn man sich um Kleinigkeiten zankt.“ (Indisches Sprichwort)
  • „Wer anfängt zu schweigen, spricht härter, als es Wörter je könnten.“ (Unbekannt)
  • Wahre Freunde erkennt man daran, dass sie Geheimnisse im Streit nicht gegen einen verwenden.“ (Unbekannt)

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[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]

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