Paartherapie: Reden hilft weiter

Monatelang haben sie gestritten, geschwiegen, angeschrien und beide sind unglücklich in der Beziehung. Es sieht so hoffnungslos aus und eigentlich wünschen sie sich eine Veränderung. Nur schaffen sie es nicht allein.

Wenn die Beziehung droht zu zerbrechen – und das kann sich auch im hohen Alter herauskristallisieren – kann die Paartherapie weiterhelfen. Was passiert in einer Paartherapie, welche Methoden werden verwendet, wie findet man einen Therapeuten, gibt es einen Unterschied zwischen Therapie und Beratung? Wir informieren Sie…

Paartherapie: Reden hilft weiter

Methode: Wie funktioniert eine Paartherapie?

Voraussetzung für die Paartherapie ist, dass beide Partner einverstanden sind, die Therapie zu machen. Es wird erwartet, dass aktiv an den Veränderungen mitarbeiten. So werden in der Regel immer beide gemeinsam zu den Sitzungen eingeladen. Nur in Ausnahmefällen kann es sinnvoller sein, dass Einzelsitzungen durchgeführt werden.

Zunächst einmal wird im Gespräch erarbeitet, was das Ziel der Therapie ist:

  • Arbeitet das Paar daran, dass die Beziehung fortbesteht,
  • oder möchten Sie daran arbeiten, wie die Trennung vollzogen werden soll?

Die Festlegung des Ziels gibt dem Therapieverlauf eine bestimmte Richtung. Je nach Fall mĂĽssen unterschiedliche Themen behandelt werden.

Grundsätzlich wird besprochen, welche äußeren Faktoren zu den Problemen führen. Zusammen überlegen die Partner, inwiefern sie diese verändern können. Dann werden tiefergehende Themen besprochen: Wünsche an den Partner, Bedürfnisse, Ängste, Enttäuschungen und Verletzungen. Der Therapeut kann auf mehrere Methoden aus diversen Therapierichtungen zurückgreifen.

Methoden der systemischen Therapie

Oft existieren die Beziehungen schon länger. Es haben sich Verhaltensmuster zwischen den Partnern entwickelt. Diese erleichtern auf der einen Seite das Zusammenleben, können aber auf der anderen Seite immer wiederkehrende Konflikte hervorrufen.
Deshalb wird in der Paartherapie viel mit Methoden der systemischen Therapie gearbeitet.

Mit Hilfe des Therapeuten werden die typischen Muster herausgearbeitet, durch die sich ein Streit zwischen den Partner entwickelt.

Die Muster können ganz unterschiedlich aussehen. Hier nur zwei Beispiele:

  • symmetrische Eskalation: Beide Partner machen das Gleiche. Sie schreien sich an und der Konflikt eskaliert immer weiter.
  • komplementäre Eskalation: Das Verhalten von beiden ergänzt sich: Um so mehr der eine etwas einfordert, um so mehr verweigert sich der andere.

Methoden der psychoanalytischen Therapie

Frühkindliche Erfahrungen können bis in das hohe Erwachsenenalter Verhalten und Reaktion bestimmen. Im Gespräch kann die Erarbeitung der Streitigkeiten bis zu den Herkunftsfamilien reichen.

Ein Beispiel: Einer der beiden hat bereits in der Kindheit verinnerlicht, dass er seine Wünsche immer zurückstellen muss. Diese Verhaltensweise begleitet ihn noch heute. Auch in der langjährigen Partnerschaft äußert er nicht seine Bedürfnisse und stellt sie hinten an, ist aber gleichzeitig höchst unzufrieden mit seiner Situation.

Durch das tiefergehende Gespräch wird das Muster aufgedeckt und gemeinsam eine konstruktiverer Umgang entwickelt.

Methoden der Familientherapie

Auch die Familientherapie – ein Bereich der der Systemischen Therapie begreift die Familie als System. Ziel der Familientherapie ist, dass man wieder Verständnis und Empathie fĂĽreinander entwickelt. Genutzt werden hierfĂĽr gerne Rollenspiele, Skulpturarbeit, aber auch Genogramme.

Das Kommunikationstraining

Das zentrale Problem der Partner besteht darin, dass sie nicht wissen wie sie ein konstruktives Konfliktgespräch führen können. Sie diskutieren nicht lösungsorientiert miteinander, stattdessen übertreiben sie in ihren Darstellungen, machen sich Vorwürfe, schieben sich gegenseitig die Schuld zu, ohne jemals zu einer Lösung zu finden. Damit sie dennoch weiter miteinander leben können, brechen sie die Diskussion ab und ignorieren ihre Probleme.

Der Therapeut deckt nun mit dem Paar die Kommunikationsfehler auf und übt mit ihnen ein adäquates Gesprächsverhalten ein, zum Beispiel durch Rollenspiele.

Die Rolle des Therapeuten

Als erstes bemüht sich der Therapeut eine vertrauensvolle Beziehung zu beiden aufzubauen. Seine Aufgabe ist es, einen Rahmen zu schaffen, in dem das Paar ihre Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken können.

Er sieht sich selber nicht als Experte, der mit seinem Know-How die Probleme des Paares löst. Vielmehr versteht er sich als Moderator, der den Veränderungsprozess anleitet und begleitet.

In dieser Rolle als Moderator bleibt er stets unparteiisch. Er weist keinem die Schuld zu, sondern klärt darüber auf, dass die Probleme durch die Beziehungsmuster entstehen.

Sein wichtigstes Ziel ist es dem Paar darin zu helfen, auch in Zukunft selbständig Lösungen für ihre Probleme zu finden. Er verstärkt darum ihre positiven Bestrebungen und lobt sie für Geleistetes.

Wirkung: Kann eine Paartherapie wirklich helfen?

Eine Paartherapie ist kein Allheilmittel für eine verkorkste Beziehung. Sie kann definitiv nicht jede Partnerschaft retten. Aber sie ist eine gute Methode, weil ein Außenstehender als Experte für schwierige Gespräche anleitet. Er bringt Ruhe in das Gespräch und schafft einen Rahmen, in dem sie sich begegnen können. Hier existiert eine reale Chance, einander besser zu verstehen und gemeinsam konstruktive Lösungen zu finden.

Eine Paartherapie lohnt sich,

  • wenn beide sich emotional weit von einander entfernt haben und Wege zurĂĽck suchen,
  • wenn einer oder beider Partner untreu waren und jetzt Unsicherheiten in Umgang mit der Situation existieren,
  • wenn das Leben der beiden so belastet ist (etwa durch Job oder Krankheit), dass die Schwierigkeiten sich auf die Beziehung auswirken,
  • wenn der Streit so weit eskaliert ist, dass beide keinen Ausweg mehr sehen,
  • wenn ein Partner oder beide gewalttätig sind und den anderen physisch oder psychisch misshandeln.


Paartherapie: Krankenkasse und Kosten

Leider gilt die Paartherapie nicht als Heilbehandlung. Sie ist nur als eine beratende Tätigkeit anerkannt. Aus diesem Grunde hat sie nicht den Stellenwert einer Psychotherapie, deren Kosten nach Absprache von den Krankenkassen getragen werden.

Aber: Im Rahmen einer Psychotherapie, wenn etwa einer der Partner psychisch erkrankt ist und schon in Therapie ist, kann der Therapeut auch eine Paartherapie durchfĂĽhren. Die BegrĂĽndung: Der andere Partner leidet unter der Erkrankung und die Beziehung wird durch Krankheit stark belastet. Gesetzliche Krankenkassen ĂĽbernehmen in einem solchen Fall die Kosten.

Private Krankenkassen ĂĽbernehmen eventuell – je nach Tarif – auch direkt die Kosten fĂĽr eine psychotherapeutische Paartherapie. Hier mĂĽssen Sie sich direkt bei Ihrer Kasse erkundigen.

Ansonsten müssen Sie die Kosten für eine Paartherapie selber tragen. Der Therapeut nimmt für eine Sitzung zwischen 80 und 150 Euro. Geplant wird nach Bedarf. Oft sind mindesten zehn Termine nötig.

Wenn Ihnen diese Kosten zu hoch sind, können Sie eine Paar- oder Eheberatung in Erwägung ziehen. Sie kostet in der Regel pro Stunde zwischen 30 und 40 Euro.

Paartherapie in der Nähe

Paartherapie wird von Personen mit diversen Professionen in unterschiedlichen Institutionen angeboten:

  • Psychologen
  • Psychotherapeuten
  • Sozialpädagogen
  • Fachkräfte sozialwissenschaftlicher Berufe

In der Regel haben diese ein Zusatzausbildung fĂĽr Paar- oder Familientherapie gemacht. Erkundigen Sie sich ruhig nach der Ausbildung Ihres favorisierten Therapeuten.

Paartherapie wird von angeboten von

  • selbständigen Therapeuten
  • sozialen Beratungsstellen
  • städtischen Beratungsstellen
  • kirchlichen Beratungsstellen.

Oft haben Hausärzte ein Liste mit Paartherapeuten in Ihrer Nähe. Fragen Sie ruhig bei dem Arzt Ihres Vertrauens nach.

Die Suche im Internet ist etwas mühselig. Weil meistens keine Referenzen gegeben werden, müssen Sie sich zunächst am Internetauftritt der Therapeuten orientieren. Es läuft jedes Mal darauf hinaus, dass Sie nach dem ersten Eindruck einen Vorstellungstermin vereinbaren müssen, um zu überprüfen, ob die Chemie zwischen allen Beteiligten stimmt.

Wenn Sie bei der Suche nach einem Therapeuten Hilfe benötigen, können Sie sich an folgende Stellen wenden:

(Anmerkung der Redaktion: Bei den Seiten sind die Suchfunktionen sehr unübersichtlich. Scheuen Sie sich nicht bei den Gesellschaften anzurufen, ob Sie Ihnen persönlich weiterhelfen können.)


Systemische Paartherapie:

  • Deutsche Gesellschaft fĂĽr Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) (www.dgsf.org)
  • Internationale Gesellschaft fĂĽr systemische Therapie, (www.igst.org)
  • Systemische Gesellschaft (SG)- Deutscher Verband fĂĽr systemische Forschung, Therapie, Supervision und Beratung e.V. (www.systemische-gesellschaft.de)

Psychoanalytisch orientierte Paartherapie:

  • Institut fĂĽr Paartherapie e.V., (www.paarinstitut.de)

Psychotherapie:

  • Informationsdienst des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (www.psychotherapiesuche.de)

Darüber hinaus können Sie bei folgenden Institutionen anfragen, ob sie Paarberatung kostenlos oder oder gegen ein kleines Entgelt anbieten:

  • profamilia (www.profamilia.de)
  • Kirchliche Beratungsstellen: Katholische Trägerschaft (www.katholische-eheberatung.de), Evangelische Trägerschaft (www.ekful.de)
  • Deutsche Arbeitsgemeinschaft fĂĽr Jugend- und Eheberatung (www.dajeb.de)


Unterschied: Paartherapie und Eheberatung

FĂĽr diesen Bereich gibt es mehrere Begriffe, die mehr oderweniger gleichrangig nebeneinander benutzt werden:

  • Paartherapie
  • Paarberatung
  • Eheberatung
  • Beziehungscoach

Alle Begriffe sind nicht geschützt und können von jedem jeder Zeit benutzt werden. Das macht eine Unterscheidung schwierig. Gemeinhin werden sie nach Ihrer Bedeutung unterschieden:

Eine Therapie wird üblicherweise gewählt, wenn eine krankhafte Störung behandelt werden muss. Wird von einer Paartherapie gesprochen, müsste man davon ausgehen, dass die zu behandelnde Beziehung gestört oder zumindest behandlungsbedürftig ist.
Das widerspricht aber der Arbeit eines Therapeuten: Er „diagnostiziert“ beim Paar keine Probleme, ihre Probleme werden auch nicht „behandelt“.

Von einer Therapie zu sprechen ist also per se schwierig. Dennoch werden Beratung und Therapie im Volksmund unterschieden:

  • In einer Beratung wird in der Regel die Aufmerksamkeit auf einen eingegrenztes Thema gelegt und speziell fĂĽr dieses Problem eine Lösung gesucht.
  • In der Therapie geht es mehr in die Tiefe: Oft werden Themen aus der Vergangenheit angeschaut, um daraus Erkenntnisse fĂĽr den Umgang in der Zukunft abzuleiten und grundlegende die Beziehung zu gestalten.

Wenn Sie fĂĽr sich eine tiefergehende Therapie wĂĽnschen, dann suchen Sie sich einen Therapeuten. Erkundigen Sie sich genau, welche Ausbildung Ihr Paartherapeut gemacht. Wenn er ein Zertifikat

  • einer Fachgesellschaft fĂĽr systemischer Therapie
  • oder fĂĽr eine psychoanalytische Paar- und Familientherapie

vorzeigen kann, können Sie sich sicher ein, dass Ihr Therapeut eine fundierte Weiterbildung gemacht hat und vermutlich Ihren Ansprüchen gerechter wird.

[Bildnachweis: Dmytro Zinkevych by Shutterstock.com]
6. September 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

Weiter zur Startseite