Verzeihen lernen: 4 Schritte, um endlich vergeben zu können

Endlich verzeihen können! Vielen fällt das unglaublich schwer. Sie tragen auch schwer – an ihren Verletzungen, ihrem Groll, dem Hass, der Schuld des anderen. Ungeklärte Konflikte mit sich herumzutragen, ist enorm belastend. Wer nicht vergeben kann, blockiert sich und sein Glück vor allem selbst. Dabei ist das Verzeihen eine Schlüsselkompetenz im Leben: Wir kommen dabei nicht nur mit uns selbst in Reine, sondern auch mit unseren Beziehungen. Wir zeigen Ihnen hier, wie Sie verzeihen lernen können – auch wenn der andere nicht einmal um Entschuldigung bittet (und warum das trotzdem gut tut)…

Verzeihen lernen: 4 Schritte, um endlich vergeben zu können

Der Unterschied zwischen Vergeben und Verzeihen

Vergeben und Verzeihen – beide Begriffe werden im Volksmund oft parallel benutzt. Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen beiden Begriffen.

Umgangssprachlich bedeuten beide dem anderen nicht mehr böse sein, weil er etwas falsch gemacht hat. Der Verletzte lässt den Schuldigen ziehen, ohne eine Wiedergutmachung einzufordern. Betrachtet man die ursprüngliche Bedeutung der beiden Begriffe aber genauer, lassen sie sich deutlich von einander differenzieren:

  1. Definition von Verzeihen

    Der Begriff Verzeihen stammt von dem alten Verb zeihen ab. Dies bedeutete so viel wie auf einen Schuldigen zeigen, also eine Person an- oder beschuldigen. Verzeihen meint genau das Gegenteil: Eine Bezichtigung oder Anklage wird zurückgezogen. Effekt: Die Seele kommt zur Ruhe.

  2. Definition von Vergeben

    In dem Wort Vergeben steckt der Begriff Geben. Auch hier erhält ein Mensch etwas: Der Person, die etwas falsch gemacht hat, wird die Schuld erlassen. Die Vergebung reicht somit tiefer als die Verzeihung. Hier wird nicht nur die Anklage zurückgezogen, sondern der andere auch von seiner Schuld freigesprochen – und das unabhängig davon, ob er oder sie den Fehler eingesehen hat oder nicht. Wer vergibt, ist also nicht nachtragend.

Warum können manche Menschen nicht verzeihen?

Dem anderen zu verzeihen, wenn dieser einsichtig ist, Reue zeigt, seinen Fehler zugibt und Besserung verspricht – damit haben wir in der Regel wenig Schwierigkeiten. Spüren wir, dass die Entschuldigung aufrichtig ist und unser Gegenüber unsere Verletzung wirklich (empathisch) erkennt und einsieht, fühlen wir uns verstanden und können leicht vergeben.

Es gibt aber auch Fälle, in denen Verzeihen (scheinbar) unmöglich ist…

Nicht verzeihen können: Die Ursachen

Warum ist das so: Warum können wir manchmal nicht verzeihen?

Um die Frage zu beantworten, müssen wir uns genauer anschauen, was vorher passiert ist. Es gibt verschiedene Auslöser und Gründe, warum einer grollt: Oft steckt dahinter eine falsche Handlung oder eine Äußerung, die uns enttäuscht, gekränkt oder verletzt hat…

  • Ein Freund oder Familienmitglied hat hinter dem Rücken schlecht über uns geredet. Nun erfahren wir das über Dritte.
  • Eine Mutter oder ein Vater unterstützt sein Kind nicht in einer Notlage.
  • Der Partner hat den Hochzeitstag vergessen.

Sie merken schon: Die möglichen Konflikte haben ein unterschiedliche Brisanz. Jeder Mensch empfindet eben anders.

Gerade in der Familie und im engsten Freundeskreis wiegen solche Konflikte häufig schwerer, weil wir uns nahe stehen. In der Regel vertrauen wir diesen Menschen am meisten. Sie geben uns Halt. Enttäuschung oder Verletzung dringen deshalb umso tiefer und bringen diese Struktur ins Wanken.

Jeder Konflikt ist letztlich eingebettet in ein Setting aus verschiedenen Faktoren, die dazu führen können, dass jemand nicht verzeihen will:

  • Stolz

    Sagen wir es, wie es ist: In den meisten Fällen steckt Stolz hinter der Unversöhnlichkeit. Die Betroffenen können einfach nicht darüber hinwegsehen, dass sie derart gekränkt wurden. Das ist nicht gerecht. Also muss der Täter bestraft werden. Die Betroffenen wollen es ihm heimzahlen – mit Ablehnung, Ausgrenzung, Schuldzuweisung und einem schlechten Gewissen. Es ist eine subtile, emotionale Form der Bestrafung und Rache.

  • Biographie

    Das, was der eine als außerordentliche Kränkung empfindet, ist für den anderen nicht mal erwähnenswert. Wie eine negative Äußerung bewertet wird, ist immer abhängig von der eigenen Biographie, von den Erfahrungen, die gemacht wurden. Und von den Assoziationen, die geweckt werden.

  • Erfahrungen

    Ist es das erste Mal, dass dieses verletzende Verhalten passiert ist oder kam dieser Fehltritt schon häufiger vor? Beim ersten Mal ist Vergebung oft noch leicht möglich, weil die Hoffnung überwiegt, dass sich die Sache nicht wiederholt und alles wieder gut wird. Wenn es aber häufiger vorgekommen ist, geht diese Hoffnung verloren. Das Vertrauen in eine Änderung schwindet.

  • Fehlende Stärke

    Es klingt paradox: Eigentlich bezeichnen wir denjenigen als stark, der konsequent seiner Meinung treu bleibt und von seinem Standpunkt nicht abweicht. Aber das Gegenteil ist richtig: Es ist eine Stärke, den eigenen (engen) Blickwinkel zu erweitern, sich in den anderen hineinzuversetzen und darum die eigene Haltung zu revidieren – und zu verzeihen.

Wer an seinen Verletzungen dauerhaft festhält, muss sich aber auch die Frage gefallen lassen: Haben Sie nicht schon genug durchgemacht?

Mein Partner kann Fehler nicht verzeihen: Was tun?

Eigentlich ist es etwas ganz Normales, dass es in einer Partnerschaft auch mal kriselt. Kein Mensch ist perfekt, und wir alle machen Fehler. Wer in einer langjährigen Beziehung lebt, weiß das. Ein Streit ängstigt dann auch nicht. In der Regel finden beide Partner in einem versöhnenden Gespräch wieder zusammen.

Es gibt aber Konflikte, die lassen sich nicht so schnell bereinigen. Der eine ist zutiefst getroffen und kann diesen einen Fehler partout nicht verzeihen. Was tun?

Verzeihen ist vor allem eines: eine Entscheidung. Wenn der Partner nicht verzeihen will, kann dies mehrere Gründe haben:

  • Er oder sie hat zu oft die Erfahrung gemacht, dass er oder sie enttäuscht oder verletzt wurde. Er glaubt nicht mehr daran, dass das Fehlverhalten eingestellt wird.
  • Er oder sie möchte die Position nicht aufgeben, weil er oder sie glaubt, dann seine Macht aufzugeben.
  • Er oder sie ist zu stolz und denkt er/sie würde sein Gesicht verlieren, wenn er/sie jetzt nachgibt.

Das Problem daran: Verzeihen kann nicht erzwungen werden. Das steckt schon in der Formulierung Um Verzeihung bitten. Derjenige, der um Verzeihung bittet, appelliert an die Güte desjenigen, der verletzt wurde. Wir können aber eben nicht erzwingen, dass uns jemand verzeiht. Viel mehr kann der Verletzte entscheiden, ob er milde sein möchte oder eben nicht. Es ist ein freiwilliger Prozess.

Manchmal bedeutet das, dass man die Spannung in der Beziehung aushalten muss. In dem Fall müssen Sie Ihrem Partner Zeit schenken, bis er oder sie verzeihen kann und für sich die Erkenntnis gewinnt, dass Verzeihen einem Befreiungsschlag gleich kommt und beide weiterbringt.

Wenn der schwelende Konflikt zu belastend für Sie ist, können Sie auch eine Paarberatung oder -therapie in Anspruch nehmen, um Klärung zu erlangen.

Verzeihen ist ein Zeichen von Stärke

Einem anderen Menschen nicht verzeihen zu können, ist für jede Beziehung oder Freundschaft eine Belastungsprobe. Selbst wenn sich beide irgendwie wieder vertragen oder arrangieren, bleibt der Konflikt bestehen und schwelt unter der Oberfläche und dem Zuckerguss aus Höflichkeit weiter.

Insgeheim bleiben wir dann immer noch damit beschäftigt, Schuld zuzuweisen und nachtragend zu sein. Manche(r) plant vielleicht sogar heimlich seine Rache und späte Genugtuung für die Kränkung. Menschlich vielleicht verständlich. Aber auch dumm.

Machen Sie sich bitte klar: Dem anderen vergeben zu können, mag eine emotionale Herausforderung sein. Es strengt aber deutlich mehr an und benötigt dazu enorm viel Kraft, an dem Ballast aus Groll, Zorn, Hass, Rachegelüsten und anderen schlechten Gefühlen dauerhaft festzuhalten. Mit geballten Fäusten in der Tasche und knurrend lebt es sich sicher nicht schön.

Nicht derjenige ist stark, der nicht vergibt. Es ist genau umgekehrt: Verzeihen zu können, ist eine Stärke. Eine Erleichterung sowieso. Weil man sich mit der Verletzung nicht länger beschäftigen muss. Diese Erkenntnis muss allerdings oft erst reifen.

Eine Studie der US-Universität Yale kommt gar zu dem Ergebnis: Wir Menschen sind dafür gemacht, anderen zu verzeihen. Oder wie Studien-Autorin Molly Crockett es formuliert:

Der menschliche Verstand ist darauf angelegt, soziale Beziehungen zu erhalten, auch dann, wenn das Gegenüber sich manchmal schlecht verhält.

Der Prozess hat viel mit dem sprichwörtlichen Loslassen (können) zu tun. Wer loslässt, passt sich der Situation an; akzeptiert, was passiert ist – selbst wenn das den eigenen Interessen widerspricht.

Man könnte auch sagen: Loslassen ist eine Form der Resilienz. Statt gelähmt zu bleiben, sich in der Opferrolle zu suhlen, davon runterziehen zu lassen und an seinen Wunden zu laborieren, reagieren die Betroffenen wie Stehaufmännchen: Sie ordnen ihre Gefühle und ihr Leben neu – und richten den Blick wieder nach vorn.

Lieben heißt loslassen können. Nur so bekommen wir den Kopf wieder frei, bekommen die Kontrolle über unser Leben und unsere Emotionen zurück. Und nicht zuletzt finden wir dabei etwas viel wichtigeres wieder: unseren inneren Frieden.

Verzeihen ohne Entschuldigung: Geht das?

Nicht wenige fragen sich: Kann ich jemand verzeihen, ohne das er sich bei mir entschuldigt?

Zugegeben, semantisch lässt sich trefflich darüber streiten. Denn der Begriff sich entschuldigen führt in die Irre. Es klingt so, als ob sich der Verletzende selber von der Schuld freisprechen könnte. Dabei kann die Schuld doch eigentlich nur derjenige wegnehmen, der verletzt wurde, oder?! Wer die Sprache beim Wort nimmt, müsste also eher davon sprechen, dass jemand um Entschuldigung bittet. Und erst dann lässt sich verzeihen…

Klingt plausibel, ist aber falsch. Verzeihen ohne Entschuldigung ist ebenso möglich. Denn Verzeihen ist eine Aktion, die von der verletzten Person ausgeht. Diese entscheidet, ob sie den anderen noch anklagen möchte, ob sie immer noch mit dem Finger auf ihn zeigen möchte.

Das ist nicht abhängig davon, ob der andere um Verzeihung gebeten hat. Sicher, der Akt fällt natürlich viel einfacher, wenn sich der andere einsichtig zeigt. Muss er oder sie aber nicht. Es ist allein unser (guter) Wille.

Warum ist besser es zu verzeihen?

Wer nicht verzeiht, schadet sich im Endeffekt nur selbst. Die Beziehung bleibt belastet. Das eigene Leben auch: Viel zu oft erinnert sich der Verletzte an die Tat.

Selbst wer den Kontakt abbricht, wird keine echte Lösung erleben, weil die Erinnerung immer noch bleibt. Der Konflikt ist nicht überwunden, der Prozess nicht abgeschlossen und unvollendet. Es ist eine offene Erfahrung und dunkle Erinnerung, die immer wieder Traurigkeit und Wut weckt.

Nicht wenige denken so:

  • Wenn ich jetzt (zu schnell) verzeihe, könnte der andere das falsch bewerten. Frei nach dem Motto: Es war wohl doch nur eine Lappalie.
  • Wenn ich allzu bereitwillig vergebe, könnte der andere ermutigt werden, sich erneut falsch zu verhalten. Er könnte denken: War ja gar nicht so schlimm.
  • Jetzt habe ich mich so lange geziert, wenn ich jetzt verzeihe, verliere ich das Gesicht. Dahinter steckt dann auch noch falscher Stolz, auf den anderen zuzugehen.

Was für ein Quatsch! Verzeihen zieht einen Schlussstrich unter diese Gedanken und diese Abwärtsspirale aus Stolz, Renitenz und Unterstellungen. Das Verzeihen ist weniger eine Entlastung für den Täter, der verletzt hat. Vielmehr ist es ein Befreiungsakt für den Verletzten.

Mit weitreichenden Folgen!

Bitterkeit schadet unserer Gesundheit. Der Psychologie-Professor Carsten Wrosch von der Concordia Universität in Kanada hat beispielsweise untersucht, wie sich Bitterkeit und nachtragende Gedanken auf unseren Körper auswirken.

Dabei stellte er fest: Bitterkeit, insbesondere wenn sie chronisch wird, hat einen erheblichen Einfluss auf die biologischen Funktionen. Unser Immunsystem wird dadurch geschwächt. Der Groll kann uns sogar krank machen.

Menschen, die nicht verzeihen wollen, leiden nicht selten an folgenden körperlichen Symptomen:

  • Erschöpfung
  • Anspannung
  • Kopfschmerzen
  • Magenschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Bluthochdruck

Deshalb ist es wichtig, die Vergangenheit loszulassen und sich stattdessen selbst zu befreien. Nochmal: Machen Sie sich klar, loslassen kostet weniger Kraft als Festhalten!

Die gute Nachricht: Verzeihen kann man lernen

Verzeihen lernt man leider nicht über Nacht. Es ist ein Lenrprozess, den man schrittweise durchläuft.

Mit der Zeit werden die Wunden heilen und der bisherige Konflikt wird Sie nicht mehr belasten. Sicher, Sie brauchen dafür ein wenig Abstand, müssen dazu über sich selbst reflektieren und versuchen, empathisch zu denken. Aber all das lässt sich lernen. Wir zeigen Ihnen, wie das funktioniert…

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  1. Wechseln Sie die Perspektive

    Bislang haben Sie vor allem auf die Gefühle geachtet, die das Fehlverhalten bei Ihnen ausgelöst haben. Versuchen Sie jetzt mal einen Perspektivenwechsel: Betrachten Sie die Person und den Vorfall mit etwas Abstand und fragen Sie sich:

    • Ist die Sache den Ärger überhaupt wert?
    • Wurde etwas gedankenlos gesagt, was womöglich nicht so gemeint war?
    • Wie stehe ich zu der Person? Ist sie mir wirklich so wichtig?

    Vielleicht erreichen Sie an dieser Stelle schon den Punkt und sagen sich: „Diese Aufregung ist es mir nicht wert! Es ist eine Lappalie. Ich sollte mich damit nicht belasten.“. Gut so! Umso schneller können Sie Ihrem Gegenüber verzeihen.

  2. Treffen Sie eine Entscheidung

    Stellen Sie für sich selber fest: „Ich will eine Veränderung für diese Situation. Ich möchte diese Enttäuschung und Verletzung verarbeiten. Sie sollen meine Gedanken nicht mehr bestimmen.“

    Es klingt nur banal: Verzeihen und Vergeben sind zuerst und vor allem reine Kopfsache (auch wenn wir anders fühlen). Treffen Sie eine bewusste Entscheidung. Nehmen Sie sich Zeit ruhig dafür. Im Zweifel führen Sie sich nochmal vor Augen, welche Vorteile Sie davon haben.

  3. Versuchen Sie sich, in den anderen einzufühlen

    Bis hierhin haben Sie für sich selbst eine Entscheidung getroffen. Sie haben Ihre Verletzungen benannt und analysiert und möchten nun eine Veränderung. Versuchen Sie sich dazu bitte auch in den anderen hineinzuversetzen: Was könnte ihn zu seinen Worten oder Taten bewegt haben? Empathie ist ein wichtiger Schritt in Richtung Vergebung. Diese Fragen können dabei helfen:

    • Warum hat er sich so verhalten?
    • Gibt es aus seiner Sicht, gute Gründe für sein Handeln?
    • Kann es sein, dass ihm bestimmte Hintergrundinformationen fehlten?
    • Hat er vorsätzlich gehandelt oder war es vielleicht ein Versehen?
    • Wie war seine psychische Situation? War er im Stress? Gibt es etwas, was ihn gerade belastet?

    Wohlgemerkt: Sie müssen das Verhalten des anderen dadurch nicht gutheißen. Aber wenigstens verstehen und nachvollziehen können. Selbst wenn Sie betrogen oder hintergangen wurden: Auch dafür gibt es wissenswerte Motive. Manchmal nicht mal eine böse Absicht.

    Analysieren Sie anschließend Ihr eigenes Verhalten:

    • Habe ich mich missverständlich ausgedrückt?
    • Habe ich so ein Handeln in der Vergangenheit schon mal unterstützt?
    • Was habe ich dazu beigetragen?

    Womöglich sind Sie an der Situation nicht ganz unbeteiligt. Meistens ist das so. Zum Streiten gehören schließlich immer zwei. Indem Sie aber Verständnis für die Aktion oder Reaktion Ihres Gegenübers gewinnen, wird auch das Verzeihen leichter.

  4. Lassen Sie bewusst los

    Wie oben schon angesprochen, gilt es jetzt, loszulassen. Aber wirklich: Lassen Sie Ihr Leben nicht mehr von Groll oder Hass dominieren. Lassen Sie all die negativen Gedanken los. Es ist egal, was passieren wird oder wie der andere denkt. Sie verzeihen. Punkt. Das war’s. Das Leben ist eben kein Ponyhof.

    Aber ab jetzt widmen Sie sich wieder – bewusst – den schönen Dingen: Suchen Sie Kontakt zu Menschen, die Ihnen gut tun. Füttern Sie Ihre Gefühlswelt mit positiven Erlebnissen – und Sie werden eine Form der Befreiung fühlen. Denn nun haben Sie die Kontrolle über Ihr Leben wieder zurück.

    Und ganz wichtig: Lassen Sie den Dingen ihre Zeit. Suchen Sie die Aussprache – aber geben Sie der Sache auch Zeit zu heilen. Ein Vertrauensverlust braucht neue Erfahrungen oder Beweise, um neues Vertrauen wachsen zu lassen. Seien Sie also bitte nicht ungeduldig. Beziehungen wachsen – auch nach einer Krise.

Zitate und Sprüche zum Verzeihen, die von Herzen kommen

  • Man kommt in der Freundschaft nicht weit, wenn man nicht bereit ist, kleine Fehler zu verzeihen. Jean de la Bruyère
  • Wer unfähig ist, zu vergeben, der ist auch unfähig, zu lieben. Martin Luther King
  • Wir müssen jenen vergeben, von denen wir glauben, dass sie uns Unrecht angetan haben. Nicht, weil sie es verdienen, sondern weil wir so viel Liebe für uns selbst empfinden, dass wir nicht weiterhin für diese Ungerechtigkeiten bezahlen wollen. Miguel Ruiz
  • Wer Reue zeigt, den sollte man nicht an seine früheren Sünden erinnern. Jüdisches Sprichwort
  • Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken. Mahatma Ghandi
  • Sünden können nicht ungeschehen gemacht, sondern nur vergeben werden. Ìgor Stravinski

Vergeben und vergessen: Darum ist es so wichtig für unsere Psyche

Verzeihen ist das Eine – vergessen oft noch schwieriger. Der Satz vergeben und vergessen sagt sich so leicht. Aber lässt sich wirklich so einfach vergessen, was uns angetan wurde?

Natürlich nicht. Dahinter steckt die romantische Vorstellung: Nichts wird nachgetragen. Es ist wieder alles wie vorher. Unserer Beziehung wurde kein Schaden zugefügt. Wir sind wieder die Alten.

Tatsächlich können wir zu jedem Zeitpunkt, einen Schlussstrich ziehen. Wir können verzeihen und vergeben – auch ohne vorherige Entschuldigung. Das ist – wie schon so oft gesagt – ein reiner Willensakt. Eine Entscheidung.

Erfahrungen aber lassen sich nicht einfach ungeschehen machen. Auch nicht mit dem Verstand. Die Bilder, die Gefühle – sie bleiben im Kopf und im Herz. Und selbst wenn wir verzeihen, können diese Tage später noch wieder hochkommen. Es ist eben nicht vergessen. Das gelingt auch nicht.

Unser Gedächtnis speichert die gemachten Erfahrungen, die schönen wie die schlechten. Und sie ziehen – abhängig von bestimmten Auslösern – auch unwillkürlich vor unserem inneren Auge vorbei. Unaufhaltbar. Die Frage ist vielmehr: Wie gehen wir damit um?

Hinter dem Ausspruch vergeben und vergessen steckt vielmehr eine weitere Entscheidung, wie wir KÜNFTIG mit den Erinnerungen umgehen wollen. Wir können uns (erneut) darauf einlassen, ihnen nachgehen – mit allen (negativen) Konsequenzen. Oder eben auch nicht. Wir können uns auch sagen: „Ich habe das hinter mir gelassen. Es ist vergeben und verziehen.“ Und dann richten Sie den Blick nach vorn – auf positive Erfahrungen. Erinnerungen, die belegen, dass die Beziehung wieder besser wird.

Wir können den Knacks in der Beziehung, Partnerschaft, Freundschaft nicht ungeschehen machen. Auch nicht vergessen. Aber wir sind in der Lage, zu entscheiden, wohin unsere Aufmerksamkeit fließt.

Und mit der Zeit werden wir uns an diesen Konflikt immer seltener erinnern. Irgendwann haben wir vielleicht noch ein paar Bilder davon im Kopf. Aber die negativen Gefühle werden schwächer. Bis sie verschwunden sind.

Die Bedeutung von Vergebung in der Bibel

In der Bibel hat die Vergebung eine zentrale Bedeutung. Gott versöhnt sich mit den Menschen, indem er seinen eigenen Sohn, Jesus Christus, am Kreuz für die Sünden der Menschen sterben ließ. Die Schuld für die Sünde wird von Jesus am Kreuz getragen. Jeder kann nun Vergebung für sein Fehlverhalten bekommen, sofern er daran glaubt und zu Gott kommt: Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eigenen Sohn gab, auf das alle die an ihn glauben nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. (Johannes 3,16)

Damit verbunden ist aber auch die Aufforderung, selber zu vergeben. Paulus schreibt in einem Brief: Ertragt einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! (Kolosser 3,13)

Jesus ging sogar noch weiter und forderte eine unbegrenzte Versöhnungsbereitschaft: Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal. (Matthäus 18,21f) Es dürfen aber auch 78 Mal und mehr sein…

[Bildnachweis: Erickson Stock by Shutterstock.com]
5. Februar 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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