Altersarmut: Definition, Statistik, Möglichkeiten

Die Statistik ist erschreckend: Zwischen 15 und 20 Prozent der Rentner sind von Altersarmut in Deutschland betroffen. In den letzten 15 Jahren ist die Quote der Altersarmut damit um mehr als 50 Prozent angestiegen. Entsprechend wichtig ist es, sich frühzeitig mit dem Thema zu beschäftigen und zu fragen, ob man selbst möglicherweise von Altersarmut betroffen ist – oder in Zukunft sein wird. Denn auch das zeigt das Statistische Bundesamt: Selbst wer sein Leben lang gearbeitet hat, muss nicht vor Armut im Alter geschützt sein. Wir erklären, wer besonders häufig unter Altersarmut leidet und ob es Möglichkeiten gibt, etwas dagegen zu tun.

Altersarmut: Definition, Statistik, Möglichkeiten

Altersarmut: Bedeutung und Definition

Altersarmut in Deutschland ist immer wieder in den Medien. Doch was versteht man unter Altersarmut eigentlich genau? Eine einheitliche Definition einer Zahl kann es da nicht geben. Immerhin sind die Löhne und die Lebenshaltungskosten in Deutschland immer noch regional sehr unterschiedlich.

Auf Bundesebene wird für die Definition von Altersarmut die Armutsgefährdungsschwelle angeführt. Diese besagt: Eine Person, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens einer Bevölkerung auskommen muss, ist von Armut bedroht.

Medial wird in diesem Zusammenhang oft diese Grenze bei ungefähr 900 Euro angelegt. Laut einem Bericht, den das Statistische Bundesamt angefertigt hat, liegt die Armutsgefährdungsschwelle hingegen bei 13.628 Euro im Jahr beziehungsweise bei durchschnittlich 1.135 Euro monatlich.

Doch beides ist zu allgemein gefasst. Viel eher trifft die Definition zu, dass man dann arm ist, wenn man seine grundlegenden Lebenshaltungskosten nicht mehr durch sein Alterseinkommen decken kann.

Empfundene Altersarmut oft unterschiedlich

In Bayern oder Baden-Würtemberg, wo die durchschnittlichen Gehälter höher sind, liegt entsprechend auch die Grenze zur Altersarmut bei einem höheren Betrag. Umgekehrt ist die Armutsgefährdungsgrenze in einkommenschwachen Bundesländern wie Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern tiefer einzuordnen.

Nicht zu vergessen ist auch: Bei der Berechnung durch das Statistische Bundesamt handelt es sich um die offizielle Auffassung von Altersarmut. Die persönliche Einschätzung kann deutlich davon abweichen.

Wer regelmäßig finanzielle Sorgen mit sich herum trägt oder das Gefühl hat, sich kaum etwas leisten zu können, fühlt sich möglicherweise arm. Selbst wenn er laut Statistik oberhalb der Grenze zur Altersarmut liegt.

Altersarmut: Statistik

Die Altersarmut 2020 lag laut der Definition des Statistischen Bundesamtes bei 15,6 Prozent aller Rentner. Da es sich hierbei um einen Durchschnittswert für ganz Deutschland handelt, liegt dieser in einigen strukturschwachen oder in besonders teuren Regionen noch weit darüber. Laut dem Bericht bis zu 20 Prozent!

Wie hoch die Altersarmut in Deutschland genau ist, ist aber auch eine Frage, wie man diese Statistik anlegt. Nimmt man die arbeitende Bevölkerung über 65 Jahre in diese Statistik hinein, lässt sich die Altersarmut 2020 auf unter 15 Prozent drücken: Dann liegt sie bei 14,4 Prozent.

So oder so sind diese Zahlen in den letzten Jahren erheblich angewachsen: Seit 2005 um mehr as die Hälfte.

Das Problem der Altersarmut wächst

Seit Jahren wird daher mit großer Sorge auf die wachsende Altersarmut geblickt. In der Politik werden verschiedene Wege diskutiert, um die finanzielle Lage von Rentnern zu verbessern. Für die kommende Jahre wird jedoch zunächst nicht mit einer Verbesserung gerechnet.

Im Gegenteil: Eine Studie der Bertelsmann Stiftung kam bereits vor einigen Jahren zu dem Schluss, dass die Altersarmut weiter ansteigen wird.

Altersarmut: Ursachen

Die Gründe, warum die Zahlen so hoch sind und zukünftig immer mehr ältere Menschen von Altersarmut bedroht sein könnten, wurden von der Bertelsmann Stiftung ebenfalls untersucht:

  • Atypische Beschäftigungsformen
    Zeitarbeit, Teilzeitbeschäftigung oder eine geringfügige Beschäftigung über einen längeren Zeitraum. Sogenannte atypische Beschäftigungsformen, die keine unbefristete Festanstellung mit entsprechend fester Renteneinzahlung sind, nehmen bereits seit langem zu. Diese Arbeitnehmer haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, in die Altersarmut zu rutschen.
  • Frühere Arbeitslosenquote
    In den 1990ern und Anfang der 2000er Jahre lag die Arbeitslosenquote bei mehr als 11 Prozent. Viele, die davon betroffen waren, gehen in den kommenden 10 bis 20 Jahren in Rente und müssen aufgrund der Arbeitslosigkeit die Altersarmut fürchten.
  • Geburtenstarke Jahrgänge
    Die sogenannten Babyboomer-Jahrgänge kommen ins Rentenalter. Gemeint sind damit die besonders geburtenstarken Jahrgänge bis zur Mitte der 1960er Jahre. Die große Zahl der Personen, die in Rente gehen, könnte zu Problemen führen.

Altersarmut: Frauen besonders betroffen

In der Debatte um das Thema hört man immer, dass Altersarmut jeden treffen könne. Auf der einen Seite stimmt das natürlich und wer nicht gerade zu den absoluten Top-Verdienern gehört, sollte die finanzielle Lage im Alter nicht einfach ignorieren. Auf der anderen Seite zeigt sich jedoch, dass es mehrere Risikogruppen gibt, die häufiger als andere von Altersarmut betroffen sind.

  • Frauen
    Statistisch gesehen trifft die Altersarmut Frauen häufiger als Männer. Experten erklären dies durch mehrere Ursachen: So ist die Lebenserwartung bei Frauen höher und eine mögliche Witwenrente entspricht nicht der Höhe, die der Mann bekommen hätte. Zudem ist die eigene Rente von Frauen, die beispielsweise aufgrund der Kindererziehung eine längere berufliche Pause gemacht haben, deutlich geringer.
  • Geringverdiener
    Wer sein ganzes Leben arbeitet, braucht sich keine Sorgen um die Altersarmut zu machen? Leider stimmt das nicht. Es reicht nicht aus, das gesamte Arbeitsleben beschäftigt zu sein, Sie müssen auch genug verdienen, um vor Altersarmut geschützt zu sein. Geringverdiener, die über viele Jahre nur den Mindestlohn bekommen oder knapp darüber verdienen, rutschen später häufiger in die Altersarmut.
  • Arbeitslose
    Eine lange Arbeitslosigkeit macht sich bei der Rente bemerkbar. Während Sie nicht arbeiten, zahlen Sie auch keine Beiträge in die Rentenversicherung und erhalten als Konsequenz auch nur weniger im Alter zurück. Entsprechend wirkt sich jedes Arbeitsjahr positiv auf die Rente aus. Für eine abschlagsfreie Rente werden insgesamt 45 Arbeitsjahre benötigt.

Altersarmut: Lösungen

Wenn es darum geht, Altersarmut zu verhindern und zu bekämpfen, richten sich die Blicke zunächst auf die Politik. Hier müssen Lösungen und Möglichkeiten gefunden werden, um die Altersarmut einzugrenzen und für bessere finanzielle Situationen im Alter zu sorgen.So wurde mit Beginn des Jahres 2021 zum Beispiel die Grundrente eingeführt.

Lesen Sie alles darüber in unserem entsprechenden Artikel über die Grundrente.

Doch bei aller Verantwortung der Politik gilt auch: Um wirklich etwas gegen eine drohende Altersarmut zu tun, müssen Sie selbst aktiv werden.

Nur was? Eine mögliche Lösung ist natürlich, auch im Alter weiterhin beruflich aktiv zu bleiben und zu arbeiten. Mit dem Verdienst kann die Altersarmut abgewendet werden – allerdings entspricht diese Variante nicht der wohlverdienten Rente, die sich viele vorstellen.

Genau hier liegt ein großes Problem der Altersarmut: Erst einmal davon betroffen, ist es schwierig, wieder herauszukommen und die eigene finanzielle Situation zu verbessern.

So können Sie Altersarmut vorbeugen

Das bedeutet im Umkehrschluss: Sie müssen Altersarmut verhindern, bevor diese überhaupt entstehen kann. Schieben Sie das Thema nicht auf, bis es zu spät ist, sondern kümmern Sie sich frühzeitig um die Vorbeugung. Dabei gibt es verschiedene Optionen, mit denen Sie gegen die drohende Altersarmut vorgehen können:

  • Private Altersvorsorge
    Wer im Alter finanziell abgesichert sein will, sollte privat vorsorgen. Neben der gesetzlichen Rentenversicherung sollten Sie sich um eine private Altersvorsorge kümmern. Es muss ja nicht immer die klassische Lebensversicherung sein. Eine Möglichkeit, die zudem staatlich gefördert wird, ist die sogenannte Riester-Rente. Hier werden Ihre eigenen Ersparnisse durch Zuschüsse aufgestockt, wodurch der Gesamtbetrag erhöht wird.
  • Betriebliche Altersvorsorge
    Sie sind berufstätig und wollen zusätzlich zur normalen Rentenversicherung etwas für die Finanzen im Alter tun? Dann kann eine betriebliche Altersvorsorge helfen. Das Prinzip ist einfach: Ein festgelegter Anteil Ihres Gehalts wird nicht ausgezahlt, sondern wird vom Arbeitgeber für Sie angelegt.
  • Eigentum
    Dieser Tipp ist nicht für jeden umsetzbar, gerade in den Risikogruppen der Arbeitslosen und Geringverdiener. Dennoch ist der Erwerb von Eigentum eine besonders gute Absicherung gegen Altersarmut. Ob es sich dabei um ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung handelt, ist grundsätzlich egal. So reduzieren Sie Ihre Kosten im Alter deutlich, denn Mietkosten sind meist mit Abstand die größten Ausgaben.

Grundsicherung gegen Altersarmut

Wenn all dies nicht möglich ist, bleibt für viele meist nur die Grundsicherung im Alter. Dies ist eine staatliche Sozialleistung, die als finanzieller Zuschuss die Sicherung des Lebensunterhalts bedürftiger Menschen garantieren soll.

Laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales umfasst die Grundsicherung die folgenden Leistungen:

  • Der maßgebende Regelbedarf für den Leistungsberechtigten.
  • Die angemessenen Aufwendungen für Unterkunft und Heizung.
  • Mögliche Mehrbedarfe nach individueller Situation (beispielsweise bei Behinderungen).
  • Die Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherungen, ebenso Zusatzbeiträge und Vorsorgebeiträge.

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[Bildnachweis: perfectlab by Shutterstock.com]
8. Februar 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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