Getrennte Schlafzimmer: Psychologie + Ehekrise?

Getrennte Schlafzimmer sind für viele Paare ein No-go, stehen symbolisch für Zoff oder gar Ehekrise. Was aber, wenn ein Partner fürchterlich schnarcht? Psychologen zufolge sind getrennte Schlafzimmer oft sinnvoll, wenn es um gesunden Schlaf geht. Welche Vor- und Nachteile getrennte Betten haben und ob sie eine Gefahr für die Beziehung sind…

Getrennte Schlafzimmer: Psychologie + Ehekrise?

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Bedeutung getrennte Schlafzimmer: Ehekrise?

Gemeinsame Schlafzimmer sind immer noch der Standard und stehen für eine intakte Beziehung: Das Paar teilt Nähe und Intimität, allein schon durch zufällige Berührungen im Schlaf. Beim nächtlichen Aneinanderkuscheln schüttet der Körper Oxytocin aus und beide sind glücklich. Soweit das Ideal. Getrennte Schlafzimmer stehen hingegen für getrennte Betten, getrennte Ansichten. Synonym ist sogar immer häufiger der Begriff „Schlafscheidung“ zu hören.

Eine Scheidung bedeutet in der Regel nichts Gutes. Eine Schlafscheidung könnte man demnach fälschlicherweise als Indiz für eine Ehekrise missverstehen. Aber tatsächlich muss sich dahinter nichts Negatives verbergen, kein Anfang vom Ende.

Statistik zu getrennten Schlafzimmern

Umfragen zufolge schlafen 90 Prozent aller Paare in Deutschland in einem gemeinsamen Bett. Aber das könnte sich zunehmend ändern. In den USA verbringt bereits jedes vierte Paar in getrennten Betten. Der britische Bettenhersteller Bensons for Beds befragte 2.000 Paare nach ihren Schlafgewohnheiten. Dort antworteten 40 Prozent, dass sie sich für getrennte Betten entscheiden.

Und das wirkt sich offenbar günstig auf die Partnerschaft aus: Demnach hatten 34 Prozent der Befragten seitdem häufiger und besseren Sex. Für 38 Prozent fühlte sich die Beziehung an sich deutlich besser an. Paare können also eine glückliche Ehe führen und dennoch getrennt schlafen.


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Psychologie: Getrennte Betten können gut sein

In den verschiedenen Wissenschaften herrscht Uneinigkeit darüber, was besser ist. Evolutionsbiologen zufolge haben Frauen den leichteren Schlaf, weshalb sie für nächtliche Störungen besonders anfällig sind. Dies sei ihrer Rolle als Mutter geschuldet. Demnach wäre es für sie besser, allein zu schlafen. Männer hingegen fühlen sich sicherer und geborgener, wenn die Partnerin neben ihnen liegt, sie schlafen dann tiefer. Passen jedoch die Schlafgewohnheiten und der Schlafrhythmus nicht mehr zueinander, halten Paartherapeuten getrennte Schlafzimmer für sinnvoll.

Ja mehr noch: Wer gemeinsam in einem Bett schläft, obwohl getrennte Schlafzimmer besser wären, fördert womöglich ungewollt Beziehungsprobleme. Schlechter Schlaf und Beziehungsprobleme hängen nämlich oft miteinander zusammen. Denn wer unausgeschlafen ist, ist leichter gereizt. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie der Paracelsus Medizinische Privatuniversität. Nachts neben dem Auslöser für die Schlafstörungen zu liegen, macht die Sache nicht besser. In der Folge kommt es häufiger zu Streit, die Intensität der Gespräche nimmt ab und schließlich leidet das Liebesleben darunter.

Wann sind getrennte Schlafzimmer der Anfang vom Ende?

So betrachtet sind getrennte Schlafzimmer kein Beziehungskiller, sondern eher ein Segen. Aber klar: Ist ohnehin bereits der Wurm in der Beziehung, kann eine räumliche Trennung auch Ausdruck emotionaler Distanz sein. Dazu ist es wichtig, dass Paare Streit thematisieren und ihre Konflikte lösen.

Nicht umsonst empfehlen Paartherapeuten, nicht im Streit schlafen zu gehen. Auch hier haben gemeinsame Räumlichkeiten den Vorteil, dass Paare die Zeit vorm Einschlafen oft noch nutzen, um sich gegenseitig Ereignisse vom Tag zu erzählen. Das fördert das Verständnis für den anderen und hält auf den aktuellen Stand.

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Gründe für getrennte Schlafzimmer

Ein gemeinsames Schlafzimmer – ob mit Doppelbett oder zwei Einzelbetten – ist immer noch die Norm. Lediglich bei Fernbeziehungen müssen sich Paare nicht dafür rechtfertigen, dass sie getrennt voneinander schlafen. Dabei gibt es gute Gründe dafür:

Getrennte Schlafzimmer wegen Schnarchen

Der Klassiker ist immer noch, dass ein Partner schnarcht. Nicht alle Menschen reagieren gleichermaßen auf Schnarchen. Befragt nach ihren Erfahrungen, schildern manche, dass sie eine gleichbleibende Geräuschkulisse brauchen. Viele fühlen sich jedoch gestört, fokussieren sich sogar auf die Störquelle. Das behindert zusätzlich das entspannte Einschlafen.

Getrennte Schlafzimmer wegen Gewohnheiten

Nicht selten ist es so, dass ein Partner einen anderen Biorhythmus hat. Während der eine als Lerche früh zu Bett geht und frühmorgens heraushüpft, finden andere erst spät ins Bett. Geräusche beim Betreten des Schlafzimmers, Licht oder auch das Umdrehen im Bett kann zu Unterbrechungen im Schlaf des anderen führen. Auch der nächtliche Kampf um die Bettdecke oder Platz im Bett kann stressig sein.

Getrennte Schlafzimmer wegen Wechselschicht

Neben Gewohnheiten sind es manchmal auch äußere Umstände, die dazu führen, dass Partner zu unterschiedlichen Zeitpunkten ins Bett gehen. Dazu zählt beispielsweise die Arbeit im Schichtdienst. Der Effekt ist für denjenigen, der im Schlaf gestört wird, jedoch derselbe.

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Getrennte Schlafzimmer – ja oder nein?

Eine Universallösung für alle gibt es nicht. Paare müssen individuell entscheiden. Wer mit dem Gedanken an getrennte Schlafzimmer spielt, dem können die Vor- und Nachteile im Überblick vielleicht helfen:

Vorteile getrennte Betten

  • Stärkeres Immunsystem
    Guter Schlaf erhält die Gesundheit. Weniger Schlafunterbrechungen bedeuten längere Tiefschlafphasen. Die sind wichtig für die Regeneration und das Immunsystem.
  • Ausgeglichenere Stimmung
    Verbesserte Schlafqualität lässt Sie Stress leichter verarbeiten, auch Ängste und Depressionen nehmen ab.
  • Gestärkte Beziehung
    Eine gesteigerte Lebensqualität durch obige Faktoren wirkt sich positiv auf die Beziehung und den Umgang mit Konflikten aus.

Nachteile getrennter Betten

  • Weniger Nähe
    Unbestritten führt eine räumliche Trennung zu weniger räumlicher Nähe, viele Paare vermissen das. Das muss aber nicht zwangsläufig verringerte Intimität bedeuten. Sondern lediglich eine veränderte Intimität, indem das Paar andere Wege des Zusammenseins findet.
  • Größerer Platzbedarf
    Getrennte Schlafzimmer erfordern auch mehr Platz – nicht jeder hat den Luxus, sich zwei Schlafzimmer leisten zu können. Weicht ein Partner aufs Wohnzimmer aus, sollte ein qualitativ hochwertiges Schlafsofa als Ersatz dienen – alles andere wäre unfair.

Mann will getrennte Schlafzimmer: Was tun?

Die Vorstellung vom gemeinsamen Schlafzimmer als Symbol einer intakten Beziehung und heilen Welt ist oft noch stark. Will nun der Mann – oder die Frau – plötzlich getrennte Schlafzimmer, läuten beim einen oder anderen vermutlich gleich die Alarmglocken. Müssen sie aber nicht. Das Bedürfnis nach gesundem Schlaf sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Gleichzeitig sollte der Partner, der sich getrennte Schlafzimmer wünscht, mögliche Befürchtungen abfangen. Unsere Tipps für ein behutsames Vorgehen:

  • Suchen Sie das Gespräch

    Sprechen Sie mit Ihrem Partner oder Partnerin darüber, dass Sie sich getrennte Schlafzimmer wünschen. Stellen Sie klar heraus, dass es nichts mit veränderten Gefühlen, sondern mit Ihrem persönlichen Wohlbefinden zusammenhängt. Dass es eine Form der Rücksichtnahme ist, den anderen im Schlaf nicht zu stören beziehungsweise nicht gestört zu werden.

  • Gehen Sie sensibel vor

    Wichtig ist dabei, sensibel für die Befindlichkeiten des anderen zu sein und ihn nicht zu verletzen. Der Wunsch nach getrennten Betten mag im ersten Moment wie eine Ablehnung wirken. Auch trauern viele der unkomplizierten Nähe und Intimität hinterher. Daher sollten Sie unbedingt Ihre Wertschätzung und Liebe zum Ausdruck bringen.

  • Verbringen Sie Zeit miteinander

    Wer sich für getrennte Schlafzimmer entscheidet, muss (andere) gemeinsame Rituale finden. Denn häufig fallen welche weg – etwa das gemeinsame Schmökern zehn Minuten vor dem Lichtausknipsen oder das Aneinanderkuscheln. Nehmen Sie sich stattdessen Zeit für Gespräche – das kann kurz vor dem Zubettgehen auf dem Sofa sein. Auch alltäglicher Körperkontakt (zum Beispiel Händchen halten) sollte nicht zu kurz kommen.

Doch keine getrennten Betten?

Vielleicht fördert das Gespräch zutage, dass Sie doch keine getrennten Betten wollen. Auch das ist legitim. Dann sollten Sie allerdings an den Störfaktoren arbeiten. Was Sie tun können:

  • Stellen Sie Störungen ab

    Ohrstöpsel für denjenigen, der sich gestört fühlt, Nasenclips für denjenigen, der schnarcht: Beim Schnarchen gibt es bis zu einem gewissen Grad Wege, die Geräusche zu minimieren. Auch sollte man bei massiven Schnarchen einen Arzt aufsuchen, denn Atemaussetzer können das Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen.

  • Arbeiten Sie an Ihrer Einstellung

    Ob jemand Schlafunterbrechungen – beispielsweise beim Betreten des Schlafzimmers – lästig empfindet, ist nicht zuletzt eine Frage der Einstellung. Statt gereizt auf die Störung zu reagieren, könnte man sich auch denken: „Schön, mein Schatz kommt nun zu mir.“

  • Finden Sie einen Kompromiss

    Wie so oft im Leben geht es nicht um ganz oder gar nicht. Wie wäre es also, wenn Sie einen Kompromiss finden – statt nur zusammen oder nur getrennt zu schlafen, könnten Sie Teillösungen finden. Das bietet sich vor allem dann an, wenn jemand Schichtdienst hat und an manchen Tagen gemeinsam mit seinem Partner ins Bett gehen kann. Kompromisse sind übrigens auch geeignet, wenn es darum geht, lästige Gewohnheiten (zum Beispiel am Handy im Bett lesen) abzustellen.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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