Nachhaltig reisen: Tipps, wie Sie umweltbewusst Urlaub machen können

Nachhaltigkeit wird aufgrund des Klimawandels immer wichtiger. Nur: was versteht man unter „nachhaltig reisen“? Ist das nicht schon ein Widerspruch in sich? Wir zeigen Ihnen, wie Sie mit einem guten Gewissen nachhaltig reisen können – ob nach Italien, in Deutschland oder anderswo in Europa. Außerdem finden Sie neben den Tipps eine Liste der Anbieter für nachhaltiges Reisen.

Nachhaltig reisen: Tipps, wie Sie umweltbewusst Urlaub machen können

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Nachhaltig Reisen: Anbieter

Was bedeutet nachhaltig reisen? Eine genaue Definition ist schwierig. Die Statistik zeigt, dass bei nahezu jeder Reise fossile Energie verbraucht wird – insbesondere für den Transport. Die einzige Ausnahme stellt eine Fahrrad- oder eine Wandertour dar, auf der Sie auf Schusters Rappen die Welt erkunden.

Nicht jeder möchte das oder ist körperlich dazu im Stande. Trotzdem treibt uns alle die Neugier dazu, mehr von der Welt sehen und erleben zu wollen – im Grunde eine völlig nachvollziehbare und positive Haltung.

So gilt es, eine Balance zu finden zwischen unserem Bedürfnis zu reisen und der Rücksichtnahme auf Klima und Umwelt, um den folgenden Generationen solche Möglichkeiten ebenfalls zu erhalten. Einige Reiseveranstalter und -dienstleister haben sich genau darauf spezialisiert:

Diese Anbieter bieten Komplettpakete sowie Einzelbausteine rund um nachhaltiges Reisen an. Darüber hinaus gibt es weitere Anbieter, die sich speziell auf nachhaltige Unterkünfte aller Art spezialisiert haben:

Wer sich erst einmal Inspirationen holen möchte, wo und wie nachhaltig reisen möglich ist, kann auf der Seite von Fair unterwegs Ideen und Anregungen finden.

Allen Anbietern gemein ist, dass sie möglichst darauf verzichten, Flugreisen oder gar Kreuzfahrten anzubieten. Wer dennoch auf eine Schiffs- oder Fernreise nicht verzichten will, kann entweder bei den einigen Airlines direkt oder unter Ecopassenger Ausgleichszahlungen für Projekte der Wiederaufforstung oder Renaturierung beziehungsweise des Klimaschutzes leisten.

Nachhaltig reisen: Diese Siegel zeigen es an

Nicht jeder Reiseanbieter, der damit wirbt, dass Sie mit ihm nachhaltig reisen können, ist tatsächlich nachhaltig. Viele betreiben sogenanntes „green washing“. Das bedeutet, sie bieten ihre ganz normalen Dienstleistungen unter einem „grünen Deckmäntelchen“ an.

Nachhaltig reisen bedeutet aber nicht nur, eine Leistung auf den ersten Blick ökologischer zu machen. Nachhaltig reisen bedeutet, einen komplett neuen – ganzheitlichen – Ansatz zu wählen. Es gibt drei Siegel, die genau darauf hinweisen:

  • TourCert
    Dieses Siegel bewertet das komplette Unternehmen danach, welche Art von Tourismus angeboten wird. Es ist das etablierteste und umfangreichste Siegel.
  • Viabono
    Viabono ist ein deutsches Siegel, das vom Umweltbundesamt verliehen wird. Es bewertet neben Unterkünften und Restaurants auch Reisedienstleister.
  • Blaue Flagge
    Die blaue Flagge bewertet ausschließlich Strände. Für die Verleihung dieses Siegels spielen neben der Wasserqualität vor allem das Umweltmanagement der entsprechenden Region eine große Rolle.
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Nachhaltig reisen: Tipps

Wie reist man nachhaltig? Was spielt alles eine Rolle, wenn man Klima und Natur schützen und für die nachfolgenden Generationen erhalten möchte? Einige Tipps, was nachhaltig reisen alles beinhaltet:

  • Transportmittel
    Ein Flug mag zwar schnell sein und das eigene Auto oder Wohnmobil bequem – nachhaltig ist allerdings beides nicht. Denn der Fußabdruck, den beide Verkehrsmittel in Bezug auf Kohlendioxid (CO2) hinterlassen, ist beträchtlich. Nutzen Sie daher so oft es geht die öffentlichen Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn. Vor Ort können Sie sich zudem überlegen, ob Sie nicht besser mit einem Leih-Fahrrad die Umgebung erkunden möchten.
  • Unterkunft
    Wer nachhaltig reisen möchte, muss nicht zwangsläufig auf den Luxus eines Hotels verzichten und im Zelt übernachten. Allerdings sollten Sie bei der Auswahl darauf achten, dass die Unterkunft nachhaltig und umweltschonend wirtschaftet. Dies betrifft zum Beispiel die Energiegewinnung, das Recycling, die Reinigung und sogar einen möglichen Eigenanbau oder zumindest regionalen Bezug von Lebensmitteln.
  • Ressourcen
    Apropos Hotel: Hier können Sie sogar selbst mithelfen, die Reise etwas nachhaltiger zu machen. Handtücher müssen nicht täglich gewechselt werden. Statt kleiner Shampooflaschen vor Ort können Sie Ihr eigenes Shampoo mitbringen. Und auf die Klimaanlage sollten Sie (so weit es geht) verzichten oder sie zumindest nicht so kalt einstellen.
  • Packen
    Wer minimalistisch packt, reist nachhaltig. Jedes Kilogramm muss schließlich transportiert werden. Ferner gibt es im digitalen Zeitalter Möglichkeiten, auf unnötiges Papier zu verzichten. Das betrifft nicht nur Tickets, Offline-Karten und Reiseunterlagen, sondern auch E-Books (insbesondere Reiseführer).
  • Leihen
    Wer nicht auf einen Reiseführer auf Papier verzichten möchte, kann sich diesen aus der Bibliothek ausleihen. Denn oft brauchen wir diesen nach unserer Reise sowieso nie wieder. Manche leihen sich sogar ihre Koffer oder spezielle Urlaubskleidung aus. Vor Ort können Sie sich zudem ihre Fortbewegungsmittel mieten.
  • Mehrweg
    Zur Aufbewahrung ihres Vespers eignen sich schöne Mehrwegdosen. Weiterhin lohnt es sich, immer eine Trinkflasche mit sich zu führen, die sich an jedem Wasserhahn auffüllen lässt. Idealerweise ist beides nicht aus Plastik hergestellt. So vermeiden Sie Einweg-Verpackungen und -produkte.
  • Regionalität
    Nachhaltig reisen bedeutet, sich auf den Urlaubsort einzulassen. Dazu gehört, dass Sie beim Essen und Trinken auf regionale Produkte und Spezialitäten achten. Dies sorgt nebenbei dafür, dass Sie die Ferien mit allen Sinnen genießen und neue kulinarische Erfahrungen machen.
  • Elektrizität
    Kein Urlaub ohne Smartphone und Laptop. Beide Geräte sind inzwischen für viele zu treuen und wichtigen Reisebegleitern geworden. Um sie aufzuladen, muss es aber nicht unbedingt ausschließlich der Strom aus der Steckdose sein. Leichte und handliche Solarpanels wandeln das schöne Sommerwetter nebenbei in nachhaltige Energie für Ihre mobilen Geräte um.
  • Reisezeit
    Reisen außerhalb der Hauptsaison bietet Ihnen nicht nur ein ungestörteres und schöneres Ferienerlebnis. Es ist sogar nachhaltig. Denn die Infrastruktur der Urlaubsorte sind auf die Hochsaison ausgelegt und dann meist trotzdem überlastet. Nutzen Sie die Nebensaison dazu, diese Regionen nicht noch weiter zu belasten.
  • Respekt
    Wenn Sie nachhaltig reisen möchten, ist dies vor allem eine Frage der Haltung. Dazu gehört die Einstellung zur einheimischen Bevölkerung. Setzen Sie sich vorab intensiv mit Ihrem Reiseziel auseinander. So können Sie den Menschen vorab mit Respekt begegnen und über den Tellerrand hinaus schauen. Bedenken Sie dabei, dass es auf der Welt nicht jedem Menschen zu gut geht wie uns. Großzügige Trinkgelder sollten daher selbstverständlich sein, sofern Sie am Reiseziel üblich sind.
  • Vorbild
    Seien Sie ein Vorbild für andere Touristen und Einheimische. Hinterlassen Sie einen Ort daher immer so, wie Sie ihn vorgefunden haben. Respektieren Sie die Natur und die Umgebung, an der Sie sich befinden, damit anderen Reisenden das gleiche Vergnügen zuteil werden kann.
  • Tierquälerei
    In vielen Reiseregionen werden einheimische Tiere als Attraktion vorgeführt. Sei es das Reiten auf einem Elefanten oder das Delphinarium. Wilde Tiere in Gefangenschaft zum Vergnügen des Menschen waren allerdings noch nie eine gute Idee. Solche Darbietungen sollten Sie nicht durch Ihre Eintrittsgelder unterstützen. Besser sind Touren, bei denen Tiere mit dem nötigen Abstand in freier Wildbahn beobachtet werden können – zum Beispiel Whale-Watching mit einem verantwortungsvollen Anbieter.
  • All-Inclusive
    Wer im Urlaub etwas erleben und sich auf das Reiseziel einlassen möchte, ist ohnehin nur zum Schlafen im Hotel. All-Inclusive-Angebote sind daher vor allem eines: Pure Verschwendungssucht. Nahrungsmittel werden in großer Menge angeboten und hinterher in fast ebenso großer Menge weggeworfen. Sinnvoller ist es, sich gezielt ein kleines, einheimisches Restaurant zu suchen und dort romantisch und stilvoll zu speisen.
  • Entfernungen
    Das Verhältnis zwischen Entfernungen und Reiszeitraum sollte ebenfalls nachhaltig sein. Für fünf Tage auf die Kanarischen Inseln? Lohnt sich eher nicht – weder für Ihre Erholung, noch für die Umwelt. Wenn es schon eine Flug- oder Fernreise sein muss, dann sollten Sie sich dafür die entsprechende Zeit nehmen.

Nachhaltig reisen in Deutschland und Europa

Insbesondere der letzte Punkt lässt einen weiteren Gedanken offensichtlich erscheinen: Wir suchen immer das Neue und möglichst Exotische. Dies lässt sich aber nicht nur in der Ferne finden.

Mit Sicherheit haben Sie in Europa oder sogar in Deutschland noch längst nicht alles erkundet: Der Schwarzwald bietet traumhafte Landschaften, die Nord- und Ostsee wilde wie romantische Strände, Italien reiche Kulturschätze, …

Nachhaltig reisen ist oft, das Gute, Naheliegende zu schätzen, anstatt stets in die Ferne zu schweifen. Das hat noch einen weiteren Vorteil: Die Reisestrapazen halten sich in Grenzen – der Urlaub beginnt somit gefühlt deutlich früher und entspannter. Lästiger Jetlag? Nicht mit Ihnen.

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Warum nachhaltiger Tourismus so wichtig ist

Warum nachhaltig reisen? Was hat Urlaub mit dem Klimawandel zu tun? Einige mögen sich das nun fragen. Die Antwort ist: Eine ganze Menge. Denn durch den Klimawandel – manche bezeichnen ihn inzwischen sogar schon als „Klimakatastrophe“ – ist vor allem der globale Süden betroffen. Steigende Meeresspiegel und die Zunahme von Starkwettereignissen und Naturkatastrophen können die reichen Länder vielleicht noch irgendwie auffangen.

Ärmere Länder treffen solche Folgen des Klimawandels mit voller Wucht. Oft bricht vor Ort die komplette Lebensgrundlage vieler tausend Menschen weg. Viele leben zudem vom Tourismus, der in einem überschwemmten Gebiet logischerweise komplett zum Erliegen kommt.

Sanfter Tourismus und nachhaltig reisen – das sind die Antworten, wie Tourismus und Ökologie zukünftig in Einklang gebracht werden können. Es geht folglich nicht nur um die eine oder andere Alibi-Handlung, sondern um eine veränderte Grundeinstellung gegenüber dem Reiseziel zum einen und dem Ziel des Reisens zum anderen.

Sich auf eine Reise und neue Erfahrungen komplett und mit Gelassenheit einzulassen anstatt einfach nur zu konsumieren – wer sich dies zu eigen macht, wird nicht nur völlig neue Erfahrungen machen, sondern nebenher wie beiläufig den ökologischen Fußabdruck und den CO2-Ausstoss verringern.

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[Bildnachweis: Dmitry Molchanov by Shutterstock.com]

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