Fremdgehen: Gründe, Anzeichen + wie verzeihen

Fremdgehen empfinden die meisten Menschen wohl als größten Vertrauensbruch in einer Partnerschaft. Trotzdem kommt es immer wieder vor, bei Männern wie Frauen gleichermaßen. Es gibt ein typisches Verhalten und verschiedene Anzeichen dafür, dass Partner trotz Liebe fremdgehen. Welche Gründe das sind, wie Sie die Anzeichen erkennen und wie sich die Untreue verzeihen oder sogar verhindern lässt…

Fremdgehen: Gründe, Anzeichen + wie verzeihen

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Definition: Was fällt alles unter Fremdgehen?

Wer eine romantische Beziehung eingeht, ist mit einer anderen Person emotional und sexuell gebunden. Im Regelfall basieren solche Liebesbeziehungen auf sexueller Exklusivität. Fremdgehen bedeutet, genau diese Exklusivität aufzugeben. Hat einer eine Affäre oder auch nur einen One-Night-Stand, ist er untreu.

Allerdings gibt es auch offene Beziehungen, in denen körperliche Intimität mit anderen Partnern Teil der Abmachung sind. Wie ein Paar Untreue definiert, ist also unterschiedlich. Hinzu kommen diverse Abstufungen des Fremdgehens: Ist erst Sex ein Problem oder beginnt es schon viel früher? Viele betrachten einen Kuss bereits kritisch.

Vorwurf: Fremdgehen fängt beim Schreiben an

Wo Treue aufhört und Fremdgehen anfängt, hängt zum Teil auch von der Intention ab. Wer sich in einer Singlebörse anmeldet, betreibt einen gewissen Aufwand. Diese Plattformen sind – so sagt es bereits ihre Bezeichnung – eigentlich eher auf ungebundene Menschen ausgelegt, die einen Partner suchen. Ist ein Nutzer dennoch gebunden, hintergeht er nicht nur seinen Partner, sondern enttäuscht auch die Erwartungen anderer Nutzer, die davon nichts wissen. Ob Schreiben schon zum Fremdgehen gehört – etwa in neutralen Netzwerken und Chats – müssen Paare für sich definieren.

Selbst scheinbar platonische Beziehungen können durch intensives, detailliertes Schreiben über intime Themen eine Erotik und Nähe erzeugen, die so normalerweise der Beziehung mit dem Liebespartner vorbehalten wäre. Anders liegt der Fall bei Portalen wie C-Date oder Fremdgehen69. Diese werben offensiv mit „Seitensprung-Garantie“. Wer sich hier anmeldet, will nicht nur schreiben. Das feste Vorhaben fremdzugehen, nimmt bereits konkrete Züge an. Sollten Sie also Ihren Partner oder Partnerin dabei „erwischen“, wie er sich für solche Seiten interessiert, ist es Zeit für eine Aussprache.

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Häufige Gründe für Untreue

Einer Studie der Universität Maryland zufolge sind es vor allem diese acht Gründe:

  1. Rache
    Es ging ein Streit voraus oder betrogene Partner ist selbst bereits fremdgegangen.
  2. Selbstwertgefühl
    Das Begehren einer anderen Person steigert das eigene Selbstwertgefühl.
  3. Unsicherheit
    Die Untreue ist für Fremdgänger ein Weg herauszufinden, ob und wie sehr man den anderen tatsächlich liebt.
  4. Unklarheit
    Wurde nie explizit ausgesprochen, dass Treue sexuelle Treue beinhaltet, nutzen manche diese Unklarheit als Ausrede zum Fremdgehen.
  5. Abwechslung
    Einige langweilen sich mit ein und demselben Sexualpartner und wünschen sich mehr Abwechslung im Bett.
  6. Vernachlässigung
    Bei langjährigen Beziehungen ist manchmal die Luft raus. Wer sich nicht gesehen und wertgeschätzt fühlt, sucht sich leichter woanders Zuwendung.
  7. Verlangen
    Ebenso sind unbefriedigte Bedürfnisse ein Problem. Dazu zählt nicht nur Sex, sondern allgemein der Wunsch nach Zärtlichkeit und Nähe.
  8. Gelegenheit
    Gelegenheit macht Diebe (in Abwandlung: Gelegenheit macht Liebe). Das Sprichwort verweist auf günstige Umstände, die sich einer Person bieten und die zu unerwünschten Handlungen verleiten. Kommt es zum Sex, bleibt es meist bei einem One-Night-Stand.

Tatsächlich sind es aber seltener zufällige Möglichkeiten, die das Fremdgehen begünstigen. Häufiger gibt es bereits vorher Anzeichen für eine Beziehungskrise. So beispielsweise, wenn Paare ihre Konflikte nicht lösen können oder sich bereits länger emotional entfernt haben. Hinzu kommen bestimmte Persönlichkeitsmerkmale oder sogar Störungen: Bei Narzissmus oder mangelnder Impulskontrolle ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es zu einer Affäre kommt.

Sind Menschen notorische Fremdgänger?

Eine Langzeitstudie der Universität Denver wollte herausfinden, ob Menschen, die bereits fremdgegangen sind, besonders anfällig für erneutes Fremdgehen sind. Und tatsächlich: Wer bereits untreu war, wird es mit größerer Wahrscheinlichkeit wieder sein – egal ob in der gleichen oder einen neuen Beziehung. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist dreimal höher als bei Partnern, die sich bisher immer treu waren. Die Forscher vermuten, dass eine herabgesenkte Hemmschwelle dazu beiträgt.

Eine andere, überraschende Erkenntnis der Studie: Auch der betrogene Part hat eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, wieder vom Partner betrogen zu werden. Klar ist allerdings auch, dass derart hintergangene Menschen für die Zukunft sensibilisiert sind. Sie erkennen die typischen Anzeichen für Fremdgehen eher und handeln entsprechend.


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Anzeichen von Fremdgehen

Lippenstift am Hemdkragen ist wohl der Klassiker unter den Anzeichen dafür, dass der Partner fremdgeht. Aber nicht alle Anzeichen sind derart offensichtlich. Skeptisch sollten Sie in diesen Fällen sein:

  • Neues Outfit
    Plötzlich trägt der Partner gänzlich andere Kleidung, eine neue Frisur oder macht er einen völlig neuen Typ aus sich.
  • Weniger Zeit
    Die Ausreden werden immer kreativer, warum er oder sie immer weniger Zeit mit Ihnen verbringen kann: Zu viel Arbeit, schlechte Zugverbindungen…
  • Auffällige Geheimnistuerei
    Er oder sie starrt ständig aufs Handy. Gespräche am Handy werden sofort beendet, wenn Sie den Raum betreten. Klingelt das Handy, verlässt er den Raum.
  • Veränderter Sex
    Ihr Liebesleben hat sich deutlich verändert: Sie haben kaum noch Sex. Oder genau andersherum: Sie haben plötzlich deutlich mehr oder gänzlich anderen Sex.
  • Seltenere Gespräche
    Über gemeinsame Interessen und Ziele tauschen Sie sich kaum noch aus. Was der andere am Tag erlebt hat, ist auch kein Thema mehr.
  • Abweichendes Verhalten
    Sie erhalten plötzlich häufiger Geschenke – auch ohne Anlass. Oder es kommt häufiger zu Streit.

Wichtig: Die oben aufgeführten Merkmale sind keine eindeutigen Beweise. Sie KÖNNEN Anzeichen fürs Fremdgehen sein – sie sind es aber nicht automatisch. Bei Zweifeln sollten Sie also erst einmal mit Ihrem Partner reden und nachfragen, nicht sofort mit Vorwürfen überschütten.

Manche Seitensprünge bleiben unbemerkt

Das Auffällige aus Sicht von Paartherapeuten: Obwohl es in einigen Fällen klare Anzeichen des Betrugs gibt, fliegt längst nicht jeder Seitensprung auf. Dafür gibt es Gründe. Zum einen lässt bei manchen die Aufmerksamkeit nach. Nach langen Jahren der Beziehung haben sich Gewohnheit und Alltag eingeschlichen, das Interesse am Partner hat nachgelassen.

Zum anderen können Verlustängste eine Rolle spielen. Der oder die Betrogene ahnt zwar die Untreue, will es aber nicht wahrhaben. Denn das würde bedeuten, sich mit den Gründen und dem Status der Beziehung auseinandersetzen zu müssen. Das würde mindestens unbequeme Beziehungsarbeit erfordern, könnte aber schlimmstenfalls dazu führen, dass einer die Beziehung beenden will.

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Untreue verhindern: Tipps für die Beziehung

Wer mit einem sehr ichbezogenen, impulsgesteuerten Partner zusammen ist, hat ein erhöhtes Risiko, betrogen zu werden. Diese Gründe liegen außerhalb der eigenen Person. Daneben gibt es aber einige Dinge, die Sie beeinflussen können:

1. Zeit investieren

Nehmen Sie sich Zeit für Ihren Partner. Reden Sie über gemeinsame Vorstellungen, Werte und Ziele. Verbringen Sie die Zeit mit schönen Dingen, etwa einmal im Monat in Ihrem Lieblingsrestaurant, ins Theater oder Ähnliches. Gemeinsame schöne Erlebnisse bringen Abwechslung in den Beziehungsalltag.

2. Probleme ansprechen

Trauen Sie sich, Bedürfnisse und Erwartungen anzusprechen. Bleiben die eigenen Wünsche dauerhaft außen vor, führt das zu Konflikten. Ihr Partner wiederum wird nicht verstehen, worin das Problem eigentlich liegt, wenn Sie es nicht klar kommunizieren.

3. Wertschätzung zeigen

Zeigen Sie Ihrem Partner, dass er wichtig für Sie ist. Kosenamen, liebevolle Gesten, aber auch simple Umgangsformen wie Tür aufhalten, danke und bitte tragen dazu bei. Hinterlassen Sie ruhig mal eine Liebesbotschaft auf einem Post-it am Spiegel oder überraschen Sie mit einer kleinen Aufmerksamkeit.

4. Freiraum lassen

Zu wenig Nähe kann zwar Fremdgehen begünstigen, zu viel Nähe aber auch. Daher ist es wichtig, dass beide Partner zu einer ausgewogenen Balance finden. In der sollten sie sich genügend Freiraum lassen, um eigenen Interessen und Hobbys nachgehen zu können. Auch eigene Freundschaften zu pflegen, kann dazu beitragen.

5. Leidenschaft wachhalten

Studien zufolge gehen einige Menschen fremd, obwohl sie ihren Partner lieben. Das klingt paradox, lässt sich aber so erklären: Oft haben sich langjährige Liebesbeziehungen zu freundschaftlichen Partnerschaften entwickelt. Sorgen Sie dafür, die Leidenschaft wachzuhalten. Zeigen Sie ihrem Partner/Partnerin, dass Sie ihn/sie begehren. Das muss nicht immer Sex sein. Zärtliche Berührungen, Händchen halten und Küssen sollten aber selbstverständlich sein.

Fremdgehen verzeihen: Phasen + Vorgehen

Kommt heraus, dass ein Partner fremdgegangen ist, erschüttert das die Partnerschaft. Der Paartherapeut Andrew G. Marshall identifiziert sieben Phasen, die ein Paar anschließend durchläuft. Je nachdem, wie gut es diese Phasen bewältigt und wie sehr es an der Beziehung arbeitet, kann es sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Seitensprung Bedeutung Verarbeiten Die 7 Phasen Nach Der Untreue

  1. Schock erleben

    Im ersten Moment dominiert der Unglauben, der Betrogene zweifelt an seiner Wahrnehmung.

  2. Verstehen wollen

    Der Betrogene will nachvollziehen, wie es soweit kommen konnte und stellt viele Fragen.

  3. Entscheidung treffen

    In dieser Phase entscheidet sich, ob der Betrogene das Fremdgehen verzeihen kann und beide wieder zueinander finden oder sich trennen.

  4. Hoffnung spüren

    Beide wagen noch einmal einen Neustart, der sich sogar ein bisschen wie die Verliebtheitsphase zu Beginn anfühlen kann. Sie glauben optimistisch daran, ihre Beziehungskrise überwinden zu können.

  5. Normalität suchen

    Beide versuchen, in ihre gewohnten Rollen und Aufgaben zurückzukehren, um Ruhe und Normalität in die Beziehung zu bringen.

  6. Verzweiflung erleben

    Zwischendurch blitzen Erinnerungen an den Betrug auf. Die alten Verletzungen sind noch nicht gänzlich verheilt.

  7. Lernen wollen

    Hat es ein Paar bis hierhin geschafft, praktiziert es wichtige Voraussetzungen für eine gelungene Partnerschaft. Es redet über Konflikte und Bedürfnisse und arbeitet an der Beziehung.

Ob Fremdgehen das Ende einer Beziehung ist, hängt von einigen Faktoren ab. So differenzieren einige beispielsweise zwischen einer – womöglich längeren – Affäre und einem einmaligen „Ausrutscher“. Zeigt der Partner zudem Reue über seinen Fehltritt und arbeiten beide an den Beziehungsproblemen, die den begünstigten, kann ein Neuanfang gelingen. Kommt der betrogene Part jedoch nicht über den Vertrauensbruch hinweg, ist die Trennung unausweichlich.

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[Bildnachweis: Herbstlust.de]

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