Friedwald: Standorte, Kosten, Besonderheiten

Die letzte Ruhestätte eines Menschen muss kein trister Friedhof sein. In einem Friedwald können Sie einem Angehörigen die letzte Ruhe in der Natur unter einem speziell dafür ausgesuchten Baum ermöglichen. Das kann die Trauer nicht nehmen. Es gibt aber doch das gute Gefühl, dass ein lieber Mensch an einem schönen und besonderen Ort begraben ist. Allerdings ist die Bestattung im Friedwald vergleichsweise neu. Viele kennen diese Möglichkeit noch gar nicht. Wir zeigen Ihnen daher, wie einen Friedwald in der Nähe finden, mit welchen Kosten Sie rechnen müssen und was Sie noch dazu wissen müssen.

Friedwald: Standorte, Kosten, Besonderheiten

Friedwald-Standorte: So finden Sie einen Friedwald in der Nähe

Ein Friedwald wird laut Wikipedia auch als Bestattungswald, Urnenwald, Begräbniswald oder Ruhewald bezeichnet. Es handelt sich dabei um einen alternativen Bestattungsort zum Friedhof.

In Deutschland gilt die sogenannte Friedhofspflicht. Daher kann eine Bestattung nicht an einem beliebigen Ort und auch nicht in jedem Wald stattfinden. Ein speziell ausgewiesener Friedwald hingegen ist einem Friedhof gleichgestellt. Er ist allerdings nicht zu verwechseln mit einem Waldfriedhof. Dies ist ein regulärer Friedhof, bei dem sich die Gräber unter Bäumen befinden.

In Deutschland gibt es ingesamt 74 Friedwälder. Sie finden sich eher in ländlichen Gegenden und nicht in Großstädten wie Hamburg, Berlin, München oder Köln.

Wer einen Friedwald in der Nähe sucht, wird hier unter diesem Link fündig. Dort sind alle 74 Friedwald-Standorte in ganz Deutschland verzeichnet.

Dazu kommen noch sogenannte Ruheforste. Dies sind Biotope, in denen ebenfalls eine Beisetzung möglich ist. Hier geschieht die Bestattung meist nicht unter einem Baum, sondern zwischen Hecken, Sträuchern und Steinen. Eine Übersicht über diese Standorte finden Sie hier.

Friedwald Kosten: Preise einer Beerdigung im Wald

Eine Bestattung ist teuer. Auch eine Beerdigung im Friedwald ist mit Kosten verbunden. Sie richten danach, fĂĽr welche Grabart Sie sich entscheiden. Zur Auswahl stehen:

  • Basisplatz im Friedwald
    Die einfachste Form ist der sogenannte Basisplatz. Bei diesem kann kein Baum selbst ausgesucht werden. Unter welchem Baum die Waldbestattung stattfindet, legt der Betreiber des Friedwaldes fest. Dabei wird ein Gemeinschaftsbaum gewählt, der insgesamt zehn Grabstätten beherbergt. Bei einem Basisplatz beträgt die Ruhezeit zwischen 15 und 30 Jahren. Die Kosten beginnen bei ungefähr 500 Euro.
  • Gemeinschaftsbaum im Friedwald
    Wenn Sie selbst entscheiden wollen, wo das Begräbnis stattfindet, können Sie einen Platz an einem Gemeinschaftsbaum erwerben. An diesem ist Platz fĂĽr bis zu zehn Urnen. Sie können mehrere Plätze erwerben – etwa fĂĽr Familienangehörige. An einem Gemeinschaftsbaum können aber auch andere Menschen beigesetzt werden. Hier liegt die Ruhezeit bei 99 Jahren. Mit ungefähr 800 Euro mĂĽssen Sie dafĂĽr rechnen.
  • Partnerbaum im Friedwald
    Ist ein Grab im Friedwald für zwei Personen gewünscht, können Sie einen Partnerbaum wählen. Bei dieser Variante finden Sie die letzte Ruhe alleine. An diesem Baum finden dann keine weiteren Bestattungen statt. Die Ruhezeit beträgt ebenfalls 99 Jahre. Die Kosten betragen ungefähr 2.500 Euro.
  • Familien- oder Freundschaftsbaum im Friedwald
    Ein Familiengrab ist nicht nur auf dem Friedhof, sondern auch im Friedwald möglich. Ein Familien- oder Freundschaftsbaum kann für bis zu zehn Grabstätten erworben werden. Auch diese Form gilt für eine Ruhezeit von 99 Jahren. Die Kosten dafür sind allerdings stolz: Bis zu 7.000 Euro kostet ein solcher Baum.

Egal für welches Angebot Sie sich entscheiden: Hinzu kommen weitere Kosten rund um die Bestattung von ungefähr 300 bis 400 Euro. Die Gesamtkosten einer Beisetzung im Friedwald können also mitunter deutlich günstiger sein als auf einem regulären Friedhof.

Wie läuft eine Friedwaldbestattung ab?

Der Ablauf einer Bestattung im Friedwald kann zu großen Teilen nach den Wünschen des Verstorbenen und der Hinterbliebenen durchgeführt werden. Es ist eine christliche Trauerfeier mit einem Pfarrer und Gebeten für den Verstorbenen möglich. Soll auf einen religiösen Aspekt verzichtet werden, kann auch ein anderer Trauerredner eine Ansprache halten.

Sollte dies gewĂĽnscht sein, kann die Trauerfeier durch Musik begleitet werden. So kann etwa das Lieblingslied des Verstorbenen gespielt werden.

Da es sich um einen Urnenbestattung handelt, können die Hinterbliebenen den letzten Weg selbst übernehmen und die Urne zum ausgewählten Baum tragen. Dort wird diese dann vom zuständigen Förster der Erde übergeben.

Besonderheiten und Regelungen im Friedwald

Vieles ist bei einer Bestattung im Friedwald ähnlich einer klassischen Beisetzung auf einem Friedhof. Einige besondere Aspekte und Regelungen sollten Sie jedoch in Zusammenhang mit eine Friedwald kennen. Zumindest wenn Sie mit dem Gedanken spielen, später selbst einmal in einem Friedwald zu ruhen oder die Waldbestattung für einen Angehörigen in Betracht ziehen.

  • Es gibt ausschlieĂźlich Urnenbestattungen
    Wer eine Beerdigung im Sarg wünscht, kann dies nur auf einem Friedhof, nicht aber im Friedwald tun. Hier ist ausschließlich die Beisetzung von Totenasche möglich. Dabei gilt grundsätzlich eine Urnenpflicht. Die Asche des Verstorbenen wird dabei in speziell biologisch abbaubaren Urnen der Erde übergeben.

    Nicht erlaubt ist es hingegen, die Asche eines toten Menschen im Friedwald zu verstreuen. Allerdings gibt es zu dieser Regelung erste Ausnahmen in den Bundesländern Bremen und Nordrhein-Westfalen. Hier kann ein Ausstreuen der Totenasche beantragt werden.

  • Es gibt keinen Grabstein oder Grabschmuck
    Im Friedwald soll die Natur möglichst unberührt bleiben. Ein Grabstein wird für den Verstorbenen deshalb nicht aufgestellt. Und auch auf anderen Grabschmuck wie Blumengestecke oder Kerzen wird oftmals verzichtet.

    Trotzdem ist es natürlich möglich, den Friedwald zum Trauern aufzusuchen. Die Bäume werden mit einer Nummer und mit den Namen der beigesetzten Personen versehen. So können Angehörige bei einem Spaziergang im Friedwald dem Verstorbenen gedenken.

  • Es benötigt keine Grabpflege
    Ein Vorteil der Beisetzung in einem Friedwald: Es ist keine Grabpflege notwendig. Hinterbliebene sind nicht immer dazu in der Lage, sich um das Grab eines Verstorbenen zu kĂĽmmern. Teilweise ist es ein zeitliches Problem. Manchmal ist aber auch die gesundheitliche Situation nicht gut genug, um der Grabpflege nachzukommen.

    Im Friedwald brauchen sich Angehörigen um das Thema keine Sorgen zu machen. Das naturbelassene Umfeld braucht keine Pflege. Dies würde ohnehin dem Grundgedanken hinter einem Friedwald widersprechen.

Friedwald: Bedeutung und Herkunft

Bekannt gemacht hat die Idee des Friedwaldes der Schweizer Ueli Sauter. Er legte um die Jahrtausendwende den ersten Bestattungswald an. Sein Grundgedanke war, dass die Asche verstorbener Menschen zurĂĽck in die Natur ĂĽbergeben wird.

Die Idee des Friedwalds hat seitdem großen Zuspruch erhalten und wurde auch in Deutschland übernommen und ausgebaut. Neben der schönen Idee, dass Mensch und Natur einen Kreislauf bilden, ist es vor allem die besondere Atmosphäre, die an einem Friedwald geschätzt wird.

Nicht nur Angehörige entscheiden sich dafür, einen Verstorbenen unter Bäumen im Friedwald beisetzen zu lassen. Oft sind es ältere Menschen selbst, die sich schon lange vor dem eigenen Tod mit der eigenen letzten Ruhestätte beschäftigen. Für einige mag das makaber klingen, doch ist es für viele ein wichtiges Anliegen, zu wissen, dass sie die letzte Ruhe in der Natur unter einem schönen Baum finden.

Oft gibt es spezielle FĂĽhrungen, bei denen Sie das Konzept genauer kennenlernen und im Friedwald umhergefĂĽhrt werden. Wer sich fĂĽr diese Art der Waldbestattung interessiert, kann auch ein Angebot einholen und einen freien Baum im Friedwald reservieren.

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19. Juni 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

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