Sterbebegleitung: Tipps für eine schwere Zeit

Sterbebegleitung wird oftmals als etwas Beängstigendes angesehen. „Das könnte ich nicht“, heißt es dann meist. Wenn dann ein eigener Angehöriger im Sterben liegt, sind viele damit überfordert.

Dabei braucht es gar nicht viel für eine liebevolle Sterbebegleitung. Wir zeigen Ihnen, was Sie in Bezug auf die Betreuung des letzten Lebensweges wissen sollten und was eine einfühlsame Sterbebegleitung auszeichnet.

Sterbebegleitung: Tipps für eine schwere Zeit

Was ist Sterbebegleitung?

Sterbebegleitung bedeutet zunächst einmal, einen Sterbenden bei seinem letztem Weg bei zu stehen. Meist verbindet man mit dem Begriff ehrenamtliche aber gut ausgebildete Sterbebegleiter, die in Krankenhäusern, Hospizen aber auch ambulant schwerkranken Patienten und ihren Angehörigen beistehen, wenn das Lebensende absehbar ist.

Dabei handelt es sich nicht zwangsläufig um Personen aus dem sozialen Bereich oder um Seelsorger. Sterbebegleiter können auch Menschen aus der Nachbarschaft oder Fremde sein, die es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, Sterbenden und Angehörigen die Angst vor dem Tod zu nehmen. Denn die meisten Menschen werden nicht plötzlich versterben, sondern aufgrund ihres Alters oder einer schweren Krankheit wie Krebs über längere Zeit Abschied von dieser Welt nehmen.

Sterbebegleitung umfasst daher auch den Weg, den die Angehörigen selbst zusammen mit dem Sterbenden gehen. In vielen Fällen handelt es sich dabei um den Partner oder um ein Elternteil. Es geht bei der Sterbebegleitung darum,

das Leben in seiner Gesamtheit und das Sterben als einen Teil des Lebens zu begreifen und ein Leben – und somit auch ein Sterben – in Würde zu ermöglichen,

wie es der Deutsche Hospiz- und Palliativ-Verband e.V. formuliert.

Dazu zählen:

  • Wahrung der Autonomie des Sterbenden
  • Gewährung von Schmerzfreiheit durch Palliativmedizin
  • Vermittlung von Geborgenheit durch Familie und Freunde
  • Begleitung des Sterbenden auf dem psychosozialen beziehungsweise spirituellen Sektor

Daher ist bei der Sterbebegleitung die Empathie ein wesentlicher Faktor. Es geht darum, sich in die Gefühlswelt des Sterbenden einzufühlen und sich auf ihn einzulassen. Gerade dies macht es Angehörigen oft schwer, Sterbebegleitung zu leisten, da sie mitunter zu sehr in ihrer eigenen Trauer und Gefühlswelt gefangen sind und die Ansprüche an sich selbst zudem viel zu hoch anlegen.

Tipps für eine würdevolle Sterbebegleitung

Viele Angehörige sind verunsichert, wie eine „richtige“ Sterbebegleitung aussehen muss. Dabei geht hier nicht um Perfektion oder gar um richtig oder falsch. Sterbebegleitung bedeutet zunächst, einfach nur da zu sein. Alleine damit wird schon ein Großteil der Angst vor dem Tod genommen. Daher können auch Sie eine gute Sterbebegleitung leisten. Einige Tipps dazu:

  • Berührung
    Sterbende haben meist lange Schlafphasen oder das Bewusstsein ist eingetrübt. Dennoch spüren sie, wenn jemand bei ihnen ist und sich um sie kümmert. Umso mehr, wenn es sich um eine vertraute Person handelt. Berühren und streicheln Sie den Sterbenden daher sanft, zum Beispiel, indem Sie die Hand halten und / oder Ihre Hand auf dessen Arm beziehungsweise Schulter legen.
  • Ansprache
    Das Gehör ist in den allermeisten Sterbeprozessen fast bis zuletzt aktiv. Daher wirkt eine bekannte Stimme äußerst beruhigend. Dabei ist es zunächst einmal egal, was Sie inhaltlich sprechen, solange Sie Floskeln vermeiden. Die Hauptsache ist, dass Sie mit ruhiger, sanfter und bedächtiger Stimme sprechen. In diesem Zusammenhang hat sich insbesondere das Vorlesen oder das Beten bewährt.
  • Entlastung
    Auch Sie als Angehöriger sollten sich in der Situation nicht unwohl fühlen, denn das spürt ein Sterbender. Wenn Sie sich also unsicher sind, ist das keine Schande. Holen Sie sich einen ausgebildeten Sterbebegleiter oder ein Familienmitglied, dem Sie vertrauen, als Hilfe hinzu. Es ist wichtig, dass auch Sie mit der psychisch belastenden Situation nicht alleine sind.
  • Geduld
    Haben Sie Geduld. Sowohl mit sich selbst als auch mit Ihrem Angehörigen bei seinem letztem Weg und Abschied. Will er Ihnen oder anderen wichtigen Personen in seinem Leben noch etwas mitteilen, dann ermöglichen Sie dies. Auch wenn der Sterbende verwirrt erscheinen mag oder es länger dauert, bis er sich entsprechend äußern kann.
  • Akzeptanz
    Viele sind kurz vor ihrem Tod an einem Punkt angelangt, in dem sie den nahenden Tod akzeptiert haben oder mitunter gar hoffnungsvoll erwarten. Tun Sie es dies ebenso. Der Tod ist die Vollendung des Lebens und für jeden Menschen unausweichlich. Wenn die Stunde gekommen ist, signalisieren Sie, dass auch Sie bereit sind, Abschied zu nehmen.

Grundhaltung in der Sterbebegleitung

Bei der Sterbebegleitung geht es um die Grundhaltung, den Prozess des Sterbens anzuerkennen. Die Bedürfnisse sterbender Menschen sind andere als noch zu Lebzeiten. Die meisten haben keine Angst vor dem Sterbeprozess an sich, sondern vor Schmerzen und davor, ihren Angehörigen eine Last zu sein. Den Tod als solchen haben viele längst akzeptiert.

Die allermeisten sind vor ihrem Ableben in sich gekehrt. Das hat körperliche Gründe, liegt aber vor allem auch daran, dass sie eine Art Lebensfazit ziehen. Sie wollen noch einmal Gefühle wie Sehnsucht, Reue aber auch Freude durchleben, um dann befreit Abschied nehmen zu können.

Diesen Raum sollten Sie nun lassen. Daher gehört auch Schweigen zur Sterbebegleitung. Das wichtigste ist nun der Respekt und die Ruhe.

Ablauf des Sterbens

Sterbende schlafen in der Regel viel und sprechen wenig. Diese Veränderung leitet meist den Sterbeprozess ein. Dieser ist individuell unterschiedlich und dauert manchmal nur wenige Stunden, in anderen Fällen wiederum viele Tage. Nicht nur jedes Leben ist anders, auch jeder Tod.

Es gibt aber bei sterbenden Menschen gewisse körperliche Prozesse und Gemeinsamkeiten, die sich oftmals in einer bestimmten Reihenfolge abspielen:

  1. Der Sterbende erinnert sich an besondere Momente in seinem Leben.
  2. Leber, Magen, Darm und Niere stellen nacheinander ihre Funktion ein.
  3. Giftstoffe gelangen so in das Blut und in das Gehirn, was zu Bewusstseinseintrübungen und Verwirrtheit führt.
  4. Die Gefäße in Armen und Beinen werden nicht mehr ausreichend durchblutet. Die Haut wird fleckig.
  5. Die Sinne schwinden nach und nach. Am längsten bleibt noch der Hörsinn erhalten.
  6. Der Organismus trocknet langsam aus, Appetit und Durst bleiben aus.
  7. Das Schmerzempfinden nimmt durch die Austrocknung deutlich ab, schmerzlindernde Stoffe werden im Körper ausgeschüttet.
  8. Schleim legt sich auf die Luftröhre, das Atmen weicht einem Röcheln und später der Bewusstlosigkeit.
  9. Das Gesicht wird kaum mehr durchblutet, das sogenannte „Todesdreieck“ zwischen Nase und Mundwickeln wird weiß.
  10. Herz und Lunge stellen ihren Betrieb ein. Das Gehirn erhält keinen Sauerstoff mehr.
  11. Glückshormone fluten das Gehirn, ehe der Hirntod eintritt.

Trotz einer Bewusstlosigkeit spüren viele Sterbende bis zum Schluss, wenn sie umsorgt werden. Da hilft es, wenn sie einfach nur jemand liebevoll berührt. Auch die Begleitung durch ihre Lieblingsmusik kann dieses Prozess deutlich erleichtern.

Hier bekommen Sie Hilfe als Sterbebegleiter

Wenn Sie sich als Angehöriger überfordert fühlen mit dem Sterbeprozess oder hingegen sogar selbst ehrenamtlich in der Sterbebegleitung tätig sein möchten, dann können Sie sich dabei Unterstützung einholen. Erste Ansprechpartner sind zum Beispiel:

  • Seelsorger
  • Hospize
  • Sozialverbände wie Caritas, Diakonie, Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt oder Malteser Hilfsdienst
  • Palliativmediziner

Diese Personen können Ihnen dabei helfen, die Situation psychisch besser durchzustehen. Dabei arbeiten sie entweder mit bestimmten Gesprächsführungstechniken oder aber sie hören einfach nur zu und sind für Sie da. Dadurch vermitteln Sie Ihnen nicht nur den Respekt und die Sicherheit, die Sie in der schweren Stunde brauchen, sondern auch wichtige Wertschätzung. Außerdem können sie mit bestimmten Ritualen oder auch Achtsamkeitsübungen zusätzlichen Beistand leisten.

Darüber hinaus gibt es auch soziale Stiftungen, die als professionelle Wunscherfüller tätig sind. Sie haben sich darauf spezialisiert, Sterbenden letzte Wünsche zu erfüllen, sofern es nur irgend möglich ist. Das reicht vom Besorgen des Lieblingseises bis hin zu einer eventuellen Reise, falls medizinisch dazu eine Möglichkeit besteht.

Was andere Leser noch gelesen haben

[Bildnachweis: Africa Studio by Shutterstock.com]
18. Dezember 2020 Redaktion Icon Autor: Herbstlust Redaktion

Die Herbstlust-Redaktion besteht aus erfahrenen Autoren mit langjähriger Berufserfahrung. Trotz sorgfältiger Recherche erheben die Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit und informieren lediglich allgemein. Der vorliegende Artikel kann eine fachliche oder ärztliche Beratung nicht ersetzen.

Weiter zur Startseite